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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

05.02.2006

Raus aus der Todesfalle, Part II

Gegen Überwachung und Repression

Hallo, wir möchten euch in den folgenden Zeilen das Anliegen unserer Initiative näher bringen. Wir erachten diese Aufgabe als etwas schwierig, da wir ganz verschiedene Personenkreise ansprechen wollen. Hoffentlich gelingt uns dieser Spagat.

Worte zum Geleit

Hallo, wir möchten euch in den folgenden Zeilen das Anliegen unserer Initiative näher bringen. Wir erachten diese Aufgabe als etwas schwierig, da wir ganz verschiedene Personenkreise ansprechen wollen. Hoffentlich gelingt uns dieser Spagat. Viel Spaß beim Lesen, auf geht´s: „Unity is a weapon!“

Deutschland im WM-Taumel!?!

Dank des Satire-Magazins „Titanic“ und seiner Kuckucks-Uhren-Kampagne haben wir nun diese WM am Hals. Innenminister fabulieren von Bundeswehreinsätzen im Inneren (klarer Verfassungsbruch), Fußball-Fans werden in ach so tolle WM-Arenen gequält, und die angeblich knappen Gelder der öffentlichen Hand werden in Betonburgen verbuddelt, während beispielsweise in sozialen Projekten nach neoliberalem Brauch gespart wird. Und keiner macht etwas dagegen, obwohl die Missstände bar auf der Hand liegen.

Wer aber nicht schläft, das sind die braunen "Kollegen". Da werden linke Codes übernommen, eine nach ehemals linken Konzepten betriebene Jugendarbeit forciert, und spätestens nach dem gescheiterten NPD-Verbot und dem Einzug in den sächsischen Landtag ein Saubermann-Image gepflegt. Wir halten es für höchste Zeit, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, denn ein nationales Großereignis wie die WM spielt eben auch den Nazis in die Hände, zumindest wenn wir weiter dazu schweigen.
In einem Land, in dem Guido Knopp über das Dritte Reich informiert, wegen Auschwitz Jugoslawien bombardiert wird und im KZ Buchenwald die Verbrechen der Nazis zu gleichen Teilen bedacht werden wie die nicht zu rechtfertigenden, aber nachvollziehbaren Taten der sowjetischen Befreier, die dort ein Internierungslager für ranghohe Nazis und die, die sie dafür hielten, einrichteten, in einem solchen Land wird es Zeit zu sagen: Stopp, so nicht.

Die Weltmeisterschaft in Deutschland soll der Welt eine trügerische Ruhe im deutschen Lande vorgaukeln. Alle kritischen Stimmen werden einfach weggelächelt oder im Zweifelsfall weggeprügelt. Wir machen den Test und werden schauen, ob auch während und nach der WM 2006 die oft angepriesenen bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechte Geltung besitzen.

Wir woll´n nach Leutzsch zurück

In unserer Initiative sind u.a. Mitglieder der Ultragruppe des FC Sachsen Leipzig (ehemals Chemie Leipzig), die Diablos, organisiert. Sie kritisieren den Umzug ihres Clubs in das Leipziger WM-Stadion. Als Viertligist muss der Verein FC Sachsen Leipzig als Deckmantel und Argumentationsstütze für Fehlplanung und Subventionsverschwendung herhalten, damit wenigstens noch ein paar Menschen glauben, dass das neue Zentralstadion noch einen Sinn gehabt hätte, neben der Versenkung von Steuermillionen [vielleicht wäre das Geld besser und nachhaltiger in Kindergärten oder alternative Jugendclubs investiert worden] und der Durchführung einer Jubelveranstaltung, die wirkliche Fußballfans sowieso nicht interessiert. Daher unsere gemeinsame Forderung: „Wir woll´n nach Leutzsch zurück!“

Wir fordern, dass die Wünsche und Anliegen der Diablos gehört und verhandelt werden. Sie verlangen Stehplätze, sie möchten nah ans Spielfeld, sie streiten für eine freie Fankultur, die lange Zeit rund um ihr Leutzscher Stadion wachsen konnte und die ihnen und den restlichen Fans von Chemie wegen ein paar WM-Spielen einfach genommen worden ist. Ein Viert- oder Drittligist mit einem Zuschauerschnitt von 3.000 Fans gehört logischerweise nicht in ein 40.000 WM-Jubel-Fans fassendes Stadion.

Wie aktuell die Studie der Stiftung Warentest beweist, spielen die Stadtoberen zudem mit unserer Sicherheit und damit auch mit unserem Leben, denn im Gegensatz zu den Lokalpolitikern stehen wir in der Kurve. Als in der letzten Saison der FC Sachsen gegen den VfB Auerbach sein Heimspiel austrug, kam es zu panikartigen Szenen, als die Polizei den Block stürmte. Schlimmeres konnte letztlich nur verhindert werden, weil der Block nicht gefüllt war. Es muss wie immer erst jemand verunglücken, bis wir auf halbseidenen Lippenbekenntnisse aus dem Leipziger Rathaus hoffen können. Deshalb sagen wir: „Raus aus der Todesfalle!“

Besitzen bürgerliche Grundrechte auch während der WM ihre Gültigkeit?

Weiterhin begrüßen wir in unserer Initiative Gruppen, denen die um sich greifende Videoüberwachung von privaten und öffentlichen Räumen Sorge bereitet. Dadurch werden im Grundgesetz verankerte bürgerliche Freiheiten wie beispielweise das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung massiv unterminiert. Unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wird hier von Seiten der Bundespolitik der Versuch unternommen, unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung das Grundgesetz in seinen Grundfesten zu erschüttern. Weiteres gravierendes Beispiel dieser gefährlichen Politik ist der Vorstoß von Bundesinnenminister Schäuble, der unsere WM-Gäste mittels der Bundeswehr, welche - momentan noch grundgesetzwidrig - im Inneren eingesetzt werden soll, vor den „bösen“ Freunden (in der Presse auch Hooligans genannt) schützen möchte. Im Leipziger WM-Fußballstadion erfreuen sich die Fans einer kompletten Videoüberwachung, was eine trügerische Sicherheit (vor wem eigentlich?) vorgaukeln soll. Wir Fans und Anhänger sind aber weder Terroristen noch Kriminelle und wollen auch vorab nicht als solche behandelt werden: Deswegen: „Fankultur stirbt mit Sicherheit!“

Zudem hat die Vergangenheit bewiesen, dass gerade bei diversen Großveranstaltungen (z.B. Olympia in Athen oder die diesjährige WM im D-Land) Repressions- und Überwachungsmechanismen getestet und einer breiten Öffentlichkeit so nebenbei untergejubelt werden, die später zuerst an ausgegrenzten (marginalisierten) Bevölkerungsgruppen wie MigrantInnen etc. angewandt werden und letztlich die ganze Gesellschaft, gleich einem unabwendbaren Naturereignis, penetrieren.

Platz da, der Rote Stern und sein altes Leiden

Ganz banale Probleme beschäftigen unsere Freundinnen und Freunde vom Roten Stern Leipzig. Während die Stadt Leipzig mit repräsentativen und medienträchtigen Sportneubauten protzt, werden bisher im Breitensport die Hausaufgaben nicht ordentlich erledigt. Zwar ist die Sportförderung der Stadt recht passabel, aber ein Verein wie der Rote Stern Leipzig ´99 e.V. (RSL), der sich seit Jahren durch antirassistische Arbeit auszeichnet, kann keine Jugendarbeit betreiben, weil ihm schlichtweg die Infrastruktur in Form eines eigenen Sportgeländes fehlt. Das Rathaus hat mittlerweile (nach 7 Jahren...) die Problematik erkannt und eine zeitnahe Lösung versprochen, Konkretes gibt es bislang jedoch noch nicht. Die Fans und Mitglieder dieses Vereins verbindet im Moment die Angst, dass hinter diesem vorgegeben Aktionismus von Seiten der Stadt nur ein Hinhaltemanöver steckt, damit die Sterne nicht eine perfekte WM durch kreative Aktionen stören. Daher die Forderung der vielen Fans, Mitglieder des RSL: „Platz da – Fußball benötigt Freiraum, jetzt!“

Achtung Hippiespruch (aber ein guter!!!): „Aus einem Tropfen wird später ein Meer.“ (oder so ähnlich), anders formuliert: Wir blicken über den Tellerrand: MacherInnen von coolen sozialen Projekten, macht mit!

Nicht nur im Leipziger Breitensport gibt es Mängel, die durch unsere Demonstration einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Während die Stadt Leipzig sich um medien- und prestigeträchtige Massenspektakel kümmert, die angeblich allen zu Gute kommen sollen, wird im sozialen Bereich der Rotstift angesetzt. Auch hier bitten wir die Verantwortlichen der Stadt, mit ihren Ämtern und Positionen verantwortungsvoll umzugehen. Letzter Schmieren-Komödien-Akt war das Vorgehen einer CDU-Stadträtin, die dem Kinder- und Jugendprojekt „Zoro“ am liebsten das Geld für den Kauf des Grundstückes und somit den Erhalt des gesamten über Jahre gewachsenen Projektes mit der Argumentation streitig machen wollte, dass das Geld anderen Projekten dann nicht zur Verfügung gestellt werden kann. So nicht. Wir lassen uns nicht gegenseitig ausspielen. Es ist eure Aufgabe, unsere Steuern so zu verteilen, dass wir auch im sozialen Bereich ausreichende (besser gute) Strukturen haben, um die Probleme der Abbruchregion Ost in den Griff zu bekommen und die Jugend nicht den hohlen Parolen der Nazis preiszugeben. Die warten doch nur darauf.

Zurück zu den sozialen Projekten. wir bitten euch, denkt darüber nach, lasst alte Schranken fallen und lasst uns gemeinsam nach Alternativen suchen, denn wir und ihr stehen finanziell alle mit dem Rücken zur Wand. Jetzt wäre der richtige Augenblick, dem so aus der Mode gekommenen Wort der Solidarität mal wieder zu einem Comeback zu verhelfen. Also: „Hoch die intralokale Solidarität!“

Exkurs: Das Fanprojekt Leipzig

Was uns, Fans aller Leipziger Vereine (ja, auch LOK), natürlich am Herzen liegt, ist, dass die Stadt, das Land und der DFB Konzepte entwickeln, damit diese notwendige und „überparteiliche“ Faninstanz erhalten bleibt. Die bestehende Rivalität zwischen Fans der einzelnen Vereine ist Grund genug, auch nach der WM 2006 das Fanprojekt zu erhalten. Aufgrund der momentanen finanziellen Situation können die Verantwortlichen des Leipziger Fanprojektes zum großen Teil nur die Fans / Ultras von Chemie Leipzig „betreuen“, was verständlicher Weise Fans von Lokomotive Leipzig oder auch vom Roten Stern Leipzig irritiert. Deswegen sollte gerade die Kommune überzeugt werden, die ideellen und finanziellen Aufwendungen gegenüber dem Leipziger Fanprojekt zu erhöhen.

Wider der Nestbeschmutzungs-Rhetorik / Turbo-Demokraten hört auf, nur zu reden...

Manche Leser werden sich fragen, warum braucht es diese Kampagne, warum hat da niemand schon mal den Mund aufgemacht? Unsere Antwort: Weil in dieser Stadt der Helden und Turbo-Demokraten jede/r, der Kritik übt, als Nestbeschmutzer/In gilt. Wenn BMW, Zentralstadion, Neue Messe so nachhaltig gewesen wären, warum gibt es im Gegensatz zu Dresden diese immens hohe Arbeitslosigkeit?

Messen wir sie an ihren eigenen Maßstäben. Demokratie bedeutet, dass auch vermeintliche Minderheiten Gehör finden, dass auch wir einen gleichberechtigten Zugang zu den Medien erhalten und sich lokale Fürsten nicht allein hinter ihrer verquasten Demokratie-Rhetorik verstecken. Sie sollten Kritik eher als Chance verstehen, um gemeinsam die Probleme anzugehen, die nicht nur Leipzig plagen. Wir werden also sehen, wie die Stadtoberen, Medienvertreter und andere sog. Multiplikatoren aus Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft etc. mit unserer Kritik umgehen werden.

Gerade den Medien kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu, denn sie müssen dafür Sorge tragen, dass wir nicht ungerechtfertigter Weise in die kriminelle Ecke gedrängt werden. Das war in der Vergangenheit ein beliebtes Mittel, wenn unbequeme Kritik aufkam.

Unser Fahrplan!

Zunächst, wir sind Realisten, werden wir die WM nicht verhindern, das hat auch niemand vor. Wir wollen Kritik üben. Dafür nutzen wir natürlich die WM. Wann sind denn mal so viele Presse-Menschen da, die wollen doch was schreiben. Wir erzählen es ihnen gern, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt, selbst in Deutschland nicht. Daher könnte eines unserer Ziele sein, in einem breiten, gesellschaftlichen Bündnis parallel zur Weltmeisterschaft eine bundesweite Demonstration zu organisieren. Das Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) könnte da einer von vielen potentiellen Bündnispartnern sein. Erste Verbindungen stehen. Die Fußballfans in unserer Initiative können einerseits zeigen, wie viel sie von den demokratischen Grundregeln gelernt haben – daran messt uns! Somit beweisen wir uns und der Gesellschaft, dass Fußballfans nicht bloße Hohlroller sind, sondern sich intelligent für ihre Ziele einsetzen: Wir sind die Fans: Kein Kick ohne Fans!

Wir lassen uns aber nicht allein auf den Fußball reduzieren, denn Fußball ist nur ein kleiner Spiegel der Gesellschaft. Alle, die ein humanistisches Weltbild eint, sind herzlich eingeladen. Jede/r sieht die Probleme, er/sie muss nur die eigene Ohnmacht überwinden. Letztlich lassen wir uns nicht spalten, wir wissen, was Demokratie ist, nämlich Missstände gemeinsam im offenen Dialog überwinden.

Übrigens, das halten wir für mehr als nur erwähnenswert: Wir haben nicht den Stein der Weisen gefressen, deswegen laden wir alle ein, an einer sachliche Diskussion über unsere Ziele teilzunehmen. Damit wir später gemeinsam für Veränderungen streiten können.

Die Zeit der Abgrenzung und Zersplitterung ist vorbei!
Nazis in den Sack schießen (nur mit dem Fußball natürlich ;-)
Nachdenken, agieren, nicht kriminalisieren lassen.
Habt Mut, Vertrauen, redet sachlich, direkt und meckert nicht bloß, wenn es Unstimmigkeiten gibt, wir stehen auf der richtigen und gleichen Seite.
Und die Forderung der Grün-Weißen unter uns und eine Idee für eine nachhaltige und effektive Nutzung des Zentralstadion: Zentralstadion abreißen, denn: „Bau auf, reiß nieder, so hast du Arbeit immer wieder!!!“

P.S.: Für alle, die immer noch nicht wissen, was Ultra ist: Kommt zum Spiel: BSG II vs. Zwickau (nach der Demo: 13.30 Uhr). Kennenlernen ruled!

Initiative "Raus aus der Todesfalle"

 

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