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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

07.05.2005

Die Mythen des deutschen Befreiungskonstruktes

Aufruf zur Demo am 7.5.2005

Am 08. Mai 2005 jährt sich zum sechzigsten Mal die bedingungslose Kapitulation der verbrecherischen Deutschen Wehrmacht. Der 08. Mai 1945 besiegelte die militärische Niederlage des Nationalsozialismus. Im wörtlichen Sinne befreit wurden im Mai 1945, oder einige Monate davor, die Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik: die am Leben gebliebenen Juden, KZ-Häftlinge, ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene. Als Tag der Befreiung sah die größte Mehrheit der deutschen Volksgemeinschaft dieses Datum nicht an. Das lag weniger am vermeintlich durchschlagenden Erfolg der NS-Propaganda. Während vor allem in der alten Bundesrepublik fleißig genau an diesem Befreiungsmythos gestrickt wurde, schob man in DDR-Geschichtsbüchern jahrzehntelang alles auf den „aggressivsten Teil des deutschen Monopolkapitals“ (Dimitroff-These), dass die Arbeiterklasse und somit das letzte Widerstandpotential ausgeschaltet hätte. Selbstredend lag Dimitroff mit seiner Analyse nicht komplett falsch, dennoch hatte sie verkürzende Momente. Beide Thesen sparen – und zwar bewusst – die Rolle der fanatisierten nationalsozialistischen Volksmassen aus.

Der schon fast pathologische Durchhaltewille der deutschen Bevölkerung, gerade zum Ende des 2. Weltkrieges, brauchte nicht wirklich durch Gräuelmärchen über „mordende asiatisch-bolschewistische Rotarmisten-Horden“ konditioniert werden. Wie stark der bedingungslose Kadavergehorsam an der Heimatfront tatsächlich ausgeprägt war, zeigte nicht zuletzt die relative Wirkungslosigkeit der alliierten Bombardements deutscher Städte. Die bekannte Harris-Doktrin, die vorsah durch die gezielte Zerstörung der zivilen Infrastruktur die Arbeitsmoral, vor allem in kriegswichtigen Industriebranchen, zu schwächen, griff nur bedingt.

Der normale Deutsche identifizierte sich mit dem Nazi-Regime und seinen politischen und ideologischen Zielen. Der normale Deutsche profitierte von Arisierungen jüdischen Eigentums in der Nachbarschaft oder durch den Einsatz von ZwangsarbeiterInnen in privaten Haushalten, in der Kommune oder im Dienstleistungssektor. Dem normalen Deutschen kümmert es wenig, das Damoklesschwert des Block- oder Hauswartes braucht in den meisten dieser Fällen nicht einmal gezückt werden, wenn Juden aus der Wohnung unter ihnen deportiert, geschlagen, sozial entrechtet oder mitten am Tag durch die Stadt geprügelt worden. Dem normalen Deutschen, brauchte der Antisemitismus nicht erst anerzogen oder indoktriniert werden. Der Antisemitismus, in organisiert-strukturierten, latenten oder banalen Erscheinungsformen, war omnipräsenter Bestandteil sämtlicher Subsysteme der Gesellschaft. Hunderttausende der normalen Deutschen beteiligten sich aktiv und wissentlich an der Shoa und dem Massenmord an den Sinti und Roma. All dies zeigt, dass eine Befreiung vom Nationalsozialismus für die TäterInnengesellschaft keine sein konnte.

Die numerisch verschwindet geringe Minderheit von Deutschen, die aktiven oder ideellen Widerstand gegen das III. Reich leisteten, gilt es natürlich zu erwähnen und diesen zu würdigen. Dass die alliierten Sieger nicht winkend mit Blumen in der Hand am Straßenrand empfangen wurden, kann da nicht verwundern. Die normalen Deutschen sahen IHR tausendjähriges Reich in Scherben fallen, ihre Privilegien schwinden und empfanden die Niederlage als kollektive Schmach. Die deutsche Konsequenz dieser Erkenntnisse folgte auf dem Fuß: die Verdrängung der Schuld setzte sich auch nach dem Abschuss der letzten Kugel nahtlos fort.


Krauts-Gedächtnis oder der verlorene Krieg –
einige Schlaglichter zur deutschen Erinnerungskultur

Mit Sicherheit wird es rund um den 08. Mai 2005, zahllose Gedenkveranstaltungen, TV-Features und offizielle Statements geben. Man muss auch kein Prophet sein, um die entsprechenden Festakte auf der europäischen- und der Weltbühne vorauszuahnen. Die in Frankreich, England, den USA und Russland stattfindenden Festivitäten, werden zweifellos in der Tradition der alliierten Sieger stehen, was eine Beteiligung der Bundesregierung mit der von ihr penetrant postulierten Forderung nach „Versöhnung“ leider nicht ausschließt.

Deutschland dagegen hat ein echtes Problem: Deutschland hat den Krieg angefangen, verloren und die halbe Welt in Schutt und Asche gelegt.

Diese Visitenkarte macht sich nicht sonderlich gut wenn es darum geht, „in der Welt endlich das Gewicht, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen zu erlangen, was der deutschen Nation schon längst wieder zu stehen müsste. Warum auch, müssen die anderen immer wieder an damals erinnern?“ Deshalb hat die Erinnerungskulturoffensive im öffentlichen Diskurs des Landes längst begonnen. Dazu braucht die deutsche Politik nicht erst ihre Denkfabriken und politischen Stiftungen zwangsverpflichten, dass erledigt der hiesige Kulturbetrieb ganz ohne Aufforderung.

Die Macher des Films „Der Untergang“ wähnten sich nicht nur in dem Glauben „Gutes“ zu tun, sondern wollten gleichzeitig das größte Tabu der jüngeren deutschen Geschichte brechen. Mit einem tiefen Blick in Hitlers Unterhose und auf des Führers Küchentisch, wird der Adolf endlich mal als Person gezeigt. Der Mann im Bunker war nämlich nicht nur ein größenwahnsinniger Militarist und elimentatorischer Antisemit, sondern ein Mensch mit privaten Seiten, Stärken und Schwächen. Die fast vollständige Ausblendung der nationalsozialistischen Verbrechen und die höchstens kryptische Erwähnung der Opfer, ist bei dem Streifen nicht etwa dem dramaturgischen Spannungsbogen geschuldet, sondern politisch gewollt. Völlig klar, dass bei dem Opfersteigerungsepos Eichingers das deutsche Volk ganz oben auf der Liste steht und der Führer dieses „opfert“, weil es zu „schwach“ geworden ist.

Die Flickausstellung in Berlin, zusammengesammelt vom Erben des Industriellen, sorgte nur kurze Zeit für mediale Aufregung. Der Bundeskanzler persönlich schaltete sich in die Debatte ein. Doch auch das deutsche Feuilleton stand wie ein Mann hinter dem Konzept. Man solle gefälligst nicht soviel Gedönse um die Sache machen. Schließlich sei eine Sammlung moderner Kunst nun wahrlich nicht für die Firmenvergangenheit verantwortlich zu machen. Was stört es da schon, dass die Exponate auch mit Geldern gekauft worden, die ZwangsarbeiterInnen in den Flick-Rüstungsbetrieben erwirtschafteten. Dass sich der Flick-Erbe beharrlich weigerte, in den Entschädigungsfonds einzuzahlen, wäre nun wirklich kein Argument. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Aussage: „entweder Kunst oder Entschädigung“, kein noch so kleines Entrüstungslüftchen mehr erzeugen wird.

Guido Knopp, der mediale Vater der neudeutschen Relativierungsindustrie, hat schon längst kein Monopol mehr auf die Geschichtsstunde für Lieschen Müller. Nicht nur in öffentlichen rechtlichen Sendern, können Opfer und Täter in vermeintlich ausgewogen produzierten Dokumentation scheinbar gleichberechtigt über ihre Erlebnisse berichten. Zum Konzept gehört es offensichtlich, dass solche Produktionen zur besten Sendezeit laufen, während z. Bsp. der Vierteiler „Shoa“ nach Mitternacht zu sehen ist. Nur gut, dass es die Methode Oral History ins deutsche Fernsehen geschafft hat. Dröge Fakten eignen sich kaum zum Umlügen der Geschichte, Emotionen dagegen können sehr hilfreich sein, das erlebte Grauen und die erfahrenen Entbehrungen der TäterInnen herbei zu halluzinieren. Nur ein kurzer Cut trennt in diesem Konzept die Schilderung eines KZ-Häftlings über den barbarischen und unfassbaren Alltag in einem deutschen Vernichtungslager, von den Berichten eines SS-Wachmannes, der seine Familie vermisste und bei minus 10 Grad Posten schieben musste, ohne dabei aufs Klo zu dürfen.


Der Deutscher Opfermythos – Nicht nur ein Wanderzirkus für Nazis

Es verwundert kaum, dass die Nazis von der NPD bis zu den Freien Kameradschaften, gerade zum 60. Jahrestag der militärischen Niederlage Deutschlands mit einer regelrechten Opfermythoskarawane durch das deutsche Land ziehen. Die Großaufmärsche in Magdeburg (Januar) und Dresden (Februar) standen für diese Kampagne inhaltlich genau so, wie die Demonstration am 12. März in Dessau und die geplante NPD-Aufmärsche am 07. Mai in Berlin und am 8.Mai in Delitzsch. Doch ohne eine gesamtgesellschaftliche Disposition wäre es der relativ marginalisierten Naziszene niemals gelungen, das Thema in den öffentlichen Diskurs zu platzieren.

Der Aufschrei nach dem Skandal im Sächsischen Landtag konnte größer kaum sein. Reflexartig kamen Forderungen nach einem NPD-Verbot, dass ein Teil der Linken seit Jahren fordern und eine Umsetzung begrüßen würden, oder wahlweise einer Verschärfung des Versammlungsgesetzes auf die Tagesordnung. Dies nicht mehr als hilflos kaschierte Versuche, um die eigenen Mythen, Legenden und Verdrängungsneurosen, nicht mit den Schmuddelkindern von Rechts teilen zu müssen. Im Verständnis der Bürgergesellschaft ist es durchaus legitim, den „Opfern des Bombenkrieges“ zu gedenken und die „Schuld der Vertreibung“ anzusprechen. Kaum eine deutsche Gemeinde, in der in diesem Jahr keine Gedenkveranstaltungen, Seminare, Trauerfeiern und Gottesdienste anlässlich der Bombardierungen stattfinden.

Doch das Konstrukt Opfermythos hat in den letzten Jahren in Deutschland nicht nur eine Dynamik erfahren, sondern auch einen qualitativen Wandel. Unter dem Motto: „Nie wieder!“ bietet es sich neuerdings regelrecht an, in Halbsätzen und sozusagen der Vollständigkeit halber, auch die Opfer des nationalsozialistischen Terrors zu erwähnen. Nicht selten glänzen RednerInnen bei entsprechenden Anlässen durch einen verbalen Opfer-Schüttelmix. Beim alljährliche Ritual des Volkstrauertages kommt es nicht selten vor, dass den Gefallenen des 1. Weltkrieges, den Opfern des Stalinismus, den ermordeten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern und den toten Wehrmachtssoldaten , zusammen gedacht wird. Dieses Vorgehen ist nicht etwa Ausdruck einer universellen Humanität, sondern ist die Fortsetzung der deutschen TäterInnenentlastung mit defizileren Mitteln und letztlich ein Verhöhnung der Opfer. Geteiltes Leid ist halbes Leid, alles war im Krieg irgendwie schlimm, die historisch definierten Kategorien Opfer und Täter haben sich wie von Zauberhand aufgelöst und fertig ist sie: die deutsche Kollektividentität ohne braune Flecke auf der Weste. Sollte gegen solche geschichtsverfälschenden Strategien nicht energisch und ausdauernd angegangen werden, wird zukünftig vom nationalsozialistischen Verbrechersystem nur ein überdimensioniertes, entpolitisiertes Freiluftgefängnis der Seelen übrig bleiben. Um den Massenmord in Auschwitz und anderen Todesfabriken zu beenden, mussten die theoretischen und praktischen Garanten für dieses singuläre Menschheitsverbrechen, seien es die Schreibtischtäter, die SS, die Wehrmachtssoldaten und natürlich die fanatisierten Volksgenossen, bis zur letzten Konsequenz militärisch bekämpft werden. Sie waren Täter.


(aktueller) Antisemitismus – eine Verschwörungstheorie hat Konjunktur

Die meisten Erscheinungsformen des aktuellen Antisemitismus haben vor allem einen Kulminationspunkt: den Staat Israel. Oft in einem inhaltlichen Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt stehend, manifestieren sich antisemitische Stereotype und Erklärungsstränge offen oder latent. Schon lange sind die Zeiten in der Bundesrepublik vorbei, in dem man bei antisemitischen Äußerungen, Delikten und Gewalttaten mit traumwandlerischer Sicherheit sagen konnte, dass sie aus der Nazi-Ecke kommen. Ja wir würden sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, diese Fokussierung oder Reduzierung auf die rechte Szene hat nie wirklich gestimmt. Antisemitismus wird seit Jahrzehnten auch in sich explizit als links generierenden Bewegungen, Szenen und Gruppierungen reproduziert. Strukturelle Gemeinsamkeiten zum Antiamerikanismus und Antiimperialismus werden in großen Teilen der Linken immer noch geleugnet. Dieser – nennen wir ihn: Vulgär-Antiimperialismus bzw. Antiamerikanismus – erfreut sich momentan in großen Teilen der liberalen und traditionellen Linken großer Beliebtheit. Er ist Ursache der Verweigerung gegenüber einer ernsthaften Betrachtung des Nationalsozialismus, die Ursache der neuentdeckten Liebe zu Deutschland und die Ursache eines sich gerade verselbstständigenden Amerika-Hasses. Schutzbehauptungen wie: „Ich bin doch links, wie kann ich da antisemitisch sein?“, sind gern formulierte Ausflüchte und meistens der Beginn einer selbst verordneten Denkverbotes. Anstatt sich wirklich mit den Argumenten auseinanderzusetzen, eine Selbstreflexion und Selbstkritik zu zulassen und somit eine Wiederholung gefährlicher Analysen und Interpretationsstränge zu verunmöglichen, reagieren viele Leute irrational und komplett intolerant. Diese Erfahrungen mussten wie immer wieder in unserer politischen Praxis machen. Dass dabei die ideologischen Hintergründe, die praktischen Erscheinungsformen und die Intensität antisemitischer Theoreme manchmal anders gelagert sind als bei Neonazis und Rechtsextremisten, liegt auf der Hand. Auch die Mitte der Gesellschaft, inklusive der zivilgesellschaftlichen Strukturen und NGO`s, sind alles andere als anti-antisemitische Inseln. Eine Studie des Bielefelder Institutes für Konflikt- und Gewaltforschung sorgte Ende vergangenen Jahres kaum für Aufregung und spiegelt gerade deshalb die antisemitische Normalität in diesem Land wieder. Die Studie stellt beispielsweise beim klassischen Antisemitismus, also der offene Abwertung von Juden auf Grund von negativ tradierten Diskriminierungen und Stereotypen, fest, dass fast 80 % der Befragten der Itemformulierung zustimmen, das „die Juden in Deutschland zuviel Einfluss haben“. Der sekundäre Antisemitismus, also die spezifisch deutsche Form der populären Welterklärungsformel, spielt ebenfalls eine Rolle. 38 % beteuern in diesem Kontext: „Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören“. Im Zusammenhang mit der NS-vergleichenden Israelkritik sind die Zahlen ebenfalls eindeutig. Fast 50% äußern sich zustimmend zur Formulierung: „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben“. Besonders interessant, immer hin 18 % der Leute denen ein israelbezogener Antisemitismus, im Duktus der Studie „die Übertragung der Kritik an der Politik Israels auf alle Juden“, nachgewiesen werden kann, bezeichnen sich selbst als „eher links“. Das wird nur noch getopt durch die Ergebnisse im Bereich der Antisemitischen Separation, unter der die Studie eine Denkweise beschreibt, in der in Deutschland lebenden Juden unterstellt wird, dass sie pauschal Parteigänger Israels seien und sich nicht mit der Bundesrepublik identifizieren würden. Hier sortieren sich sage und schreibe 39% der Zustimmungsabteilung als „eher links“ ein. Die „eher rechts“-Fraktion macht 54% aus. Der praktizierte Antisemitismus der Nazis, erlebte in letzter Zeit im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Irakkrieg bundesweit einen neuen Höhepunkt. In vielen Städten, vor allem im Osten, gelang es den Nazis, die Proteste qualitativ und quantitativ zu dominieren. Dabei legten sie großen Wert darauf, ihr Auftreten nicht martialisch zu gestalten und offenen Rassismus und eindeutige neonazistische Symbolik zu vermeiden. Vielmehr gaben sie sich in Redebeiträgen und in Flugblättern betont antikapitalistisch und antiimperialistisch. Der nicht desto trotz offen zur Schau gestellte Anti-Amerikanismus und die Dämonisierung der USA löste bei den meisten protestierenden BürgerInnen kaum negative Reaktionen aus, ganz im Gegenteil, er war akzeptiert. Dass neben dem Hass auf die USA, der oftmals antisemitisch tradiert in Szene gesetzt wurde, die Judenfeindlichkeit der eigentliche Beweggrund der Neonazis war sich an Antikriegsprotesten zu beteiligen, liegt auf der Hand.


Wir danken den Alliierten!

Am 21. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die am leben gebliebenen Opfer des Naziterrors in Dessau. Dafür danken wir ihnen. Die alliierten Soldaten beendeten mit der Zerschlagung des letzten militärischen Widerstandes, auch die Bedingungen für eine lang praktizierte nationalsozialistische und antisemitische Tradition in der Region. Die Stadt an der Mulde war nicht nur ein Zentrum der Nazi-Rüstungsindustrie, in der die Junkers-Werke für die verbrecherische deutsche Wehrmacht u. a. Kampfflugzeuge und Munition produzierten. Dessau war auch Hauptproduktionsort des Giftgases Zyklon B. Mit dem Giftgas ermordeten die Nationalsozialisten industriell Millionen Menschen, vor allem Juden und Jüdinnen, in den Vernichtungslagern. Tausende von ZwangsarbeiterInnen aus ganz Europa mussten unter unmenschlichen Bedingungen in den örtlichen Betrieben Sklavenarbeit verrichten.

Im Gegensatz zur deutschen Zivilbevölkerung wurde den ZwangsarbeiterInnen bei Luftangriffen auf die Stadt der Zugang zu Luftschutzräumen verwehrt. Entsprechend viele Menschen kamen deshalb bei den Angriffen ums Leben. Sie waren Opfer, aber nicht etwa der alliierten Bombardierungen, sondern solche der fanatischen Volksgenossen. Einigen gelang, begünstigt durch das Chaos der Kriegshandlungen und somit dank der alliierten Angriffe, die Flucht aus den Lagern.


Hier nochmal alle Facts:

Demonstration gegen Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus
Dessau 07.05.2005
Treff: Marktplatz (Rathausvorplatz) 18:00 Uhr

Infoline: 0152 / 04 81 52 46

Antifa Dessau

 

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