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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

08.05.2010

8. Mai 2010 - 65 Jahre Befreiung

Der 8. Mai – Tag der Befreiung…

Der 8. Mai als Tag der Befreiung jährt sich 2010 zum 65. Mal. Am 8. Mai 1945 erklärte die deutsche Wehrmacht gegenüber den siegreichen Allierten und der Sowjetunion die bedingungslose Kapitulation.

Der 8. Mai – … aber kein Ende des Nationalsozialismus

Entgegen häufiger Irrtümer ist der 8. Mai nicht der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Zwar beendete er die staatlich manifestierte Herrschaft des Nationalsozialismus – keineswegs verschwand mit dem 8. Mai jedoch die nationalsozialistische Ideologie von einem Tag auf den anderen. Antisemitismus, Nationalismus und volksgemeinschaftliches Denken existierten und existieren fort. Dass der 8. Mai der Tag der Befreiung ist und nicht der der Niederlage, haben in den mittlerweile 25 Jahren nach der Rede Richard von Weizsäckers, der als Bundespräsident 1985 in der Bundesrepublik den 8. Mai als Tag der Befreiung bezeichnete, vielleicht einige Politiker/innen verstanden. Aber für weite Teile der Bevölkerung ist der Tag nach wie vor bedeutungslos und für nicht wenige auch noch eine Niederlage.

Der 8. Mai – als falsche Befreiung

Doch selbst diejenigen, die von Befreiung sprechen, meinen nicht dasselbe. Denn die These, die Mehrheit der Deutschen sei vom nationalsozialistischen Regime unterdrückt worden, wird auch auf den 8. Mai angewendet. Dieser wird in jener Logik zu einer Befreiung der Deutschen von einer selbst unverschuldeten Diktatur und Terrorherrschaft umgedeutet, derer sich die Mehrheit nicht allein hätte entledigen können. Diese Deutung des 8. Mai ist genauso unsinnig und falsch, wie die Darstellung des Nationalsozialismus als ein von oben oktroyiertes Terrorregime zur Unterdrückung der Deutschen. Der Nationalsozialismus war kein Projekt gegen die Deutschen, sondern ein Projekt der Mehrheit der Deutschen. Der nationalsozialistische Staat hat sich auch nicht gegen, sondern mit Zustimmung übergroßer Teile der Bevölkerung konstituiert und die Verfolgung und Vernichtung von Millionen konnte nur mit bereitwilliger – und an vielen Stellen sogar enthusiastischer – Mitwirkung der Volksgemeinschaft so umgesetzt werden, wie sie umgesetzt wurde.

Dass diese grundlegenden Fakten gerne ausgeblendet werden, konstatierte beispielsweise der Politologe Daniel Jonah Goldhagen zuletzt anlässlich des 8. Mai 2005:
“Demgegenüber ist es kaum Bestandteil des deutschen gesellschaftlichen Bewußtseins, dass der Nazismus eine sehr hohe Popularität genoss und wenn nicht von allen, aber doch von einer großen Mehrheit der Deutschen unterstützt wurde; dass die Täter, ganz gewöhnliche Deutsche, dazu bereit waren, Juden, Sinti und Roma und andere Menschen zu massakrieren. […] Hitler war der populärste Politiker der deutschen Geschichte. Jede Auseinandersetzung mit der Geschichte hat mit diesen grundlegenden Fakten zu beginnen.”

Die Deutung des 8. Mai als Befreiung der Deutschen vom nationalsozialistischen Staat macht Täter/innen zu Opfern und somit diejenigen zu Befreiten von denen eigentlich befreit werden musste.

Der 8. Mai war die Befreiung vom Terror der Volksgemeinschaft und der Ausführung des Vernichtungswahns der Deutschen. Befreit wurden all die Menschen, die verfolgt wurden und Widerstand geleistet hatten. Der 8. Mai ist für sie die Befreiung von den “gewöhnlichen Deutschen” dieser Zeit. Dieser Einschätzung schließen wir uns an. Der 8. Mai darf kein Instrument des deutschen Geschichtsrevisionismus sein.

Der 8. Mai – auch den Befreier/innen danken

Den 8. Mai zu Feiern muss auch immer den Dank an diejenigen einschließen, die konsequent gegen den Nationalsozialismus gearbeitet haben und mit ihrem Einsatz den 8. Mai und die Befreiung erst möglich gemacht haben. Das schließt sowohl die Streitkräfte der Anti-Hitler-Koalition, als auch die Partisan/innen und andere Widerstandskämpfer/innen ein.


Der 8. Mai ist und bleibt Tag der Befreiung, soll gefeiert werden und muss gegen jede geschichtsrevisionistische Vereinnahmung verteidigt werden.

AG Antifa

 

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