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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

13.08.2002

Antwort der Antideutsch-Kommunistischen Gruppe an ihre Kritiker

Wir sind unserer Meinung

Die Antinationale Gruppe Leipzig (ANG) nennt sich jetzt Antideutsch-Kommunistische Gruppe Leipzig (AKG) und antwortet ihren Kritikern. Über bürgerliches Glücksversprechen, Aufklärung, Auschwitz, Islamismus und viel mehr.

Vorab

Daß wir uns nicht mehr Antinationale Gruppe nennen, war mehr als überfällig. Zu sehr erinnert dieser Name an Zeiten, in denen unsere Nationen-Kritik voller poststrukturalistischer Dekonstruktion daherkam und uns das Antideutschtum (Ulrich Enderwitz) höchst suspekt erschien, weil es z.B. mit einem ausgemachten Nationalisten wie Slobodan Milosevic sich solidarisch erklärte und den Staat Israel ohne pazifistisches Wenn und Aber verteidigte. Wenn wir auch allesamt unseren angestammten Platz im Leben noch nicht gefunden haben und uns langsam aber sicher mit dem Titel notorisch gescheiterter Existenzen schmücken können, so sind wir spätestens nach dem 11. September endgültig im antideutschen Theater gelandet. Die Showbühnen antideutscher Kritik sind uns also die Bretter, die uns die Welt bedeuten. Und deshalb zählt für uns auch nur eines: the antigerman show must go on.

Die linken Bewegungs-Szenis und wir

Wenn man als identitätsloser und Konstrukt-kritischer Linker auch sonst nichts weiß, so weiß man doch, daß Identitäten und Konstrukte nichts gutes verheißen können. Die Begründung dieser steilen These lautet dann meist wie folgt: Identität bedeutet, man würde sich mit einer Sache identifizieren und die Anerkennung von Konstrukten, daß man Dinge (mit)konstruieren würde. Die Hauptzutaten eines linken Allerlei stammen aus der Gerüchteküche permanent-formaler Selbstvergewisserung. Ein bißchen dekonstruieren da und ein bißchen identitätskritisches Gefasel dort, das ganze ein paar Mal durch den Szenewolf gedreht, und fertig ist der kritische Hackepeter, den man mancherorts – hip wie Sau – theoretisches Crossover zu nennen pflegt. In den Infoläden der Berliner Republik preist man die letzten Szeneverlautbarungsorgane von Antifa-Infoblatt, interim, Phase 2 bis Jungle World und ZAG bzw. off limitis an wie Zentralorgane in der ehemaligen DDR: das sei Gesellschaftskritik und sonst gar nichts. Da im einschlägigen Milieu nichts so sehr Angst verbreitet wie einen falschen Fehler zu machen, der zum formalen Szeneausschlußverfahren führen könnte, produziert man in linksbewegten Kreisen mittels sterbenslangweiligem Diskursgequatsche eine publizistische Pluralismusschleuder nach der anderen. ‘Positionen nebeneinander stehen lassen’ heißt das schöne linke Szene- Spiel, das allerdings dort seine Grenzen hat, wo die Szene-Gesetze der grundgesetzlich verbrieften Meinungsfreiheit verletzt werden: wer sexistisch, rassistisch oder autoritär ist, fliegt gnadenlos raus aus dem Szene-Knast für Freigänger. Das gilt insbesondere für den für die Szene konstitutiven Kneipen- und Partyalltag, aus der jene Gestalten mittels Lokalverbot oder persona-non-grata-Status gnadenlos entfernt und, wenn’s sein muß, auch militant verfolgt werden, die die Szene-Harmonie des aufgesetzten und verlogenen WG-Kuschelns und -Rubbelns beeinträchtigen könnten und deshalb als genau jene Nestbeschmutzer gelten, die der von den Szenis landauf-landab gehaßte deutschnationale Provinzspießer nur leicht modifiziert an Schmuddellook und Wursthaaren festmacht.
In ist, wer drin ist und drin ist, wer nichts zu sagen hat und deshalb alle Kraft auf die Wahrung der korrekten Verkehrsform verschwendet. Leidenschaft gilt dann als “patriarchal” und “autoritär”, wenn sie eben statt der Form dem Inhalt entwächst. Wenn man sagen kann, daß sich die bewegungslinke Familie im Zweifel für die Form entscheidet, so läßt sich feststellen, daß wir gedenken, genau andersherum zu verfahren. Nämlich: im Zweifel für den Inhalt – daran bitte soll man uns messen.
Wohl weil diese Latte der Kritik für viele zu hoch hängt, argumentiert man nach formalen Gutmenschen-Prinzipien: Antideutsche wie wir seien Bellizisten, Kapital-Apologeten, Eurozentristen, Rassisten, Philosemiten, Auschwitzrelativierer, Völkermörder, Menschenverachter, Faschisten usw. usf.
Seit den Anschlägen vom 11. September bekommt der Szene-Vorwurf vom antideutschen Täterschützer eine völlig neue Dimension. Galt er bis dato als Unterstellung einer quasi Vergewaltigungsbefürwortung, so steht er mittlerweile für den gänzlichen Verrat an der guten linken Sache, die schon deshalb nicht schlecht sein könne, weil sie nun mal gut sei.
Die Rede ist hier nicht von den Verrückten bei Indymedia oder anderen virtuellen Selbsttherapeuten, sondern vom linken gesellschaftlich durchschnittlichem Gesamtwahnsinn, der nur vermeintlich fern von PDS, DKP, attac und Co. grassiert, in Wahrheit aber das einigende linke Band darstellt. Zum guten Ton dieses Klüngels gehört nicht etwa die Kritik, sondern der formale Abgrenzungsritus, den man, um die Selbstreflexion zu vermeiden, immer den anderen unterstellt: “identitär” seien wir Antideutschen mit unserer Israel-Solidarität und damit gar nicht mehr links. Dazu läßt sich feststellen, daß das, was früher “dogmatisch” geschimpft wurde, heute “identitär” heißt – leicht modifziert also den selben Vorwurf bedeutet. Weil man scheinbar nicht in der Lage ist zu reflektieren, daß links nicht nur da ist, wo der Daumen rechts ist, sondern vor allem da, wo die Identität ihre Heimat hat, fuchtelt man in schlechter Tradition des deutschen Idealismus mit dem Vorwurf des Identifizierens herum, als wäre Identität keine objektive Angelegenheit des prozessierenden Verhältnisses von Subjekt und Objekt, sondern von Eigentlichkeit eines schlechten und guten Geschmacks. Die unumstößliche materialistische Wahrheit, daß das Subjekt-Objekt-Denken als Ausdruck des unversöhnten Zustands nun mal identifzieren bedeutet, liegt als selbstreflexive Erkenntnis weit unter dem persönlichen Ressentiment verborgen.1 Und weil Hegel mit seinem Identitätssatz von Identität der Identität und Nichtidentität den kritischen Szeneschlaubergern nichts als ein toter Hund ist, faselt man über Identitäten, als ginge es um die Frage, ob man seine Unterwäsche gendertroublemäßig jeden Tag oder nur alle zwei, drei Tage wechselt. Denjenigen Neunmalschlauen, die uns “identitär” schimpfen, können wir entgegenhalten: Ja, wir sind unserer Meinung. Unser Anspruch, die Wahrheit zu sagen, wird sich nicht durch Kritik an diesem Anspruch erledigen, währenddessen wir unsere Wahrheit durch inhaltliche Argumente gerne – der richtigen Gesellschaftskritik wegen – zur Disposition stellen.
Fragt man linke Szene-Angehörige nach ihrem höchstpersönlichen Leiden in dieser Gesellschaft, dann kennen sie keines außer das der anderen – also rassistische Diskriminierung, besetzte Gebiete, unreine Kieze oder hungernde Kinder; das eigene diffuse Unbehagen wird verdrängt. Von Wolfgang Pohrt treffend auf den Punkt gebracht: “Die Sympathie für die Unterprivilegierten ist dabei nur ein billiger Vorwand, sich die Einsicht in das Ausmaß der Verwüstung zu ersparen, von der man zuallererst selbst betroffen ist.”2 Für andere da sein, um sich vom eigenen objektiven skandalösen Dasein abzulenken – darin besteht das linke Gutmenschenproblem, das so instrumentell ist, daß man unsereiner der Instrumentalisierung überführen muß, damit es nicht auffällt: wer wie wir behauptet, eine Solidarität mit Israel hat für einen Kommunisten in erster Linie etwas mit seinem persönlichen Verständnis von Emanzipation zu tun, wird als Instrumentalisierer der Juden bloßgestellt, der es eigentlich gar nicht ernst meinen würde mit Israel. Daß etwas, was man tut, nicht nur unmittelbaren Zweck haben könnte, darf nicht sein, weil das ja dogmatische, vulgo: “identitäre” Züge tragen würde. Deshalb ist man sich bezüglich unserer Israel-Solidarität einig in der linken Szene: Man meint, uns allen Ernstes vorwerfen zu müssen, daß wir diese von einem emanzipatorisch-kommunistischem Standpunkt aus zu formulieren gedenken. Und das sei ja schließlich eindeutig “instrumentell” und “identitär”.
Linke meinen zu wissen, daß man sich nicht identifizieren dürfe. Vermutlich liegt das daran, daß sie den Unterschied zwischen Identifizierung mit einer Sache und Infizierung mit einem Virus nicht begreifen und ihnen dadurch diese beiden Begriffe sachlich zum postmodernen Papperlapapp zusammenschießen. Dagegen ist nochmals klarzustellen: “Dialektisch ist Erkenntnis des Nichtidentischen auch darin, daß gerade sie, mehr und anders als das Identitätsdenken, identifiziert.”3
Die angeblich neue gesellschaftstheoretische Unübersichtlichkeit ist in erster Linie eine Sache des Kopfes und nicht etwa der kopflosen kommunikations- und systemtheoretischen Postmoderne. Wer allerdings den gesellschaftlichen Charakter und Zweck in der “Disziplinargesellschaft” (Foucault) sieht und der Welt allen Ernstes mitzuteilen gedenkt, daß das “interessante Phänomen” gegenwärtig darin bestünde, daß wir nun mittlerweile in einer “Kontrollgesellschaft” (Deleuze) bzw. “Überwachungsgesellschaft” (Bündnis gegen Rechts Leipzig) lebten – in einer Gesellschaft also, deren Zweck in der freiwilligen Selbstkontrolle der Menschen bestünde und nicht darin, zu produzieren, um mehr zu produzieren – kann über alles und damit über nichts reden, ist also zum bunten Feuilleton-Vogel geradezu prädestiniert. Daß dieses Alles und Nichts bedeutende Gequatsche derzeit den Namen Empire und Multitude (Negri/Hardt) trägt, ändert an der Sache nicht die Bohne: der Pippi Lang-strumpf-Infantilismus, der “irgendwie” alles mit allem verramscht und in die “eigene Analyse einbaut”, ist die linke Gesellschaftskritik der dummen Kerls in der Gegenwart – und Drei zu Eins (triple oppression) heißt jetzt x zu Eins (multiple oppression).
Einer linken Tippel-Tappel-Politik der kleinen Schritte ist generell suspekt, wer die ganze kapitalistische Scheiße noch Scheiße nennt, und diese nicht im Diskurs-Geseiere über “Spannendes und Interessantes” aufzulösen, sondern dialektisch zu erfassen gedenkt. Die damit einhergehende “Verarmung der Erfahrung durch Dialektik” (Adorno)4 lenkt so nicht etwa von der Unerträglichkeit des immergleichen Seins ab, sondern schürt diese noch.

Krisis und wir

Materialistische Dialektik, um die es uns zu tun ist, besteht allerdings im Gegensatz zur Auffassung der Krisis-Gruppe nicht in der Reduktion des gesellschaftlichen Seins auf allgemeine geschichtsmetaphysische Weissagungen über kapitalistische Gesetzmäßigkeiten, die zur Endzeitstimmung führen, sondern in der Darstellung als Kritik von besonderem und allgemeinen, die die konkrete Parteinahme nicht ausschließt. Der ganze Vorwurf seitens der Krisis gegen die antideutsche Position reduziert sich genaugenommen darauf, daß man nicht wie sie konsequent von der finalen Krise des Kapitalismus aus denken würde.
Weil wir aus Auschwitz die Konsequenz ziehen, keine endgültigen Gewißheiten über Fortschritt und Rückschritt abstrakt aus den Marxschen Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie her- und abzuleiten wie die Krisis es tut, sind wir nicht bereit, uns vom konkreten Intervenieren zu verabschieden. Die Banalität des alltäglichen kapitalistischen Wahnsinn ist der Krisis-Theorie ein Greuel eben nur in der Theorie, weil jede konkrete Parteinahme für sie zum Beleg der finalen Krise wird. So wirft man uns folgerichtig vor, wir würden nun im Stile Huntingtons einen “rassistischen Kreuzzug” gegen die Schurken bejubeln, nur um unsere eigene Haut zu retten.
Die Logik der Krisistheorie wird seitens ihrer Protagonisten dann auf den Punkt gebracht, wenn man zum einen Israel perspektivisch abschreibt, weil es ohnehin – egal, was es tut – zum Untergang verurteilt wäre, und zum anderen, wenn man meint, daß, weil der Kapitalismus den Islamismus erst hervorgebracht hat, ein konkretes Vorgehen gegen ihn nur darin bestehen könnte, den Kapitalismus in Gänze abzuschaffen. Das Perfide an dieser Position besteht gerade darin, sich anhand der Empirie auf der Ebene des Einzelkapitals theoretisch rückzuversichern, daß innerhalb des Kapitalismus nichts zu machen ist. Genau dort brummt aber der Elch: die Krisis leitet aus einem angeblich festen Zustand des Einzelkapitals den ständig im Fluß befindlichen gesamtgesellschaftlichen Zustand ab und ist damit nicht in der Lage, den so bedeutenden Unterschied zwischen dem gesamtgesellschaftlichen Kapital als gesellschaftliches Verhältnis – als sich selbstverwertendes automatisches Subjekt – und der Ebene des Einzelkapitals wirklich zu reflektieren. Daß sich dieses automatische Subjekt nicht wirklich erkenntnistheoretisch fassen läßt, ist eben ein Fall für Erkenntniskritik und nicht für Krisentheorie. Die Krisis aber argumentiert – wenn auch in erster Linie unbewußt – wie alle arbeiterbewegten Marxisten vom Standpunkt des kapitalistischen Mythos über Vollbeschäftigung und Wohlstand aus. Nur hält sie die so vergegenwärtigten Veränderungen im Kapitalismus fälschlicherweise für den Beleg des Zusammenbruchs, als bestünde der Zweck der Wertvergesellschaftung in der Schaffung von Wohlstand und Vollbeschäftigung. Insbesondere die Produktivkraftentwicklung – also der Wechsel der fordistischen zur postfordistischen Produktionsweise durch den Einfluß der mikroelektronischen Revolution – gerät ihr dabei zum Kronzeugen einer umwälzenden Veränderung, die sie vom Stande des Fordismus aus betrachtet für das Ende des Kapitalismus hält.
Uns hingegen geht es darum, zum Beispiel das Erstarken des Islamismus in das Verhältnis von Krise und negativer Krisenbewältigung zu setzen. Damit ist klar, daß der Islamismus nicht als außerkapitalistische, prämoderne oder plumpe antimoderne Erscheinung gefaßt wird, wie uns gerne unterstellt wird. Der Islamismus ist tatsächlich Ausdruck für einen Zustand der kapitalistischen Weltgesellschaft, in der der kapitalistische Säkularismus – und sei es in Form volksdemokratischer Befreiungsbewegungen – nicht ohne weiteres zur materiellen Gewalt werden kann. Für uns nun entscheidend ist, daß man im Gegensatz zur Krisis nicht davon ausgeht, daß jeglicher Versuch der Beförderung und Herstellung säkularer Tendenzen im Vorhinein zum Scheitern verurteilt ist und gar quasi gesetzmäßig in sein Gegenteil umschlagen würde. Für die Krisis ist der Fall klar: Nichts zu machen, lautet das immergleiche Urteil. Denn Staatsverschuldung, fiktives Kapital sowie produktive – also mehrwertschaffende – Arbeit schießen in der Theorie von der finalen Krise zur Gewißheit des Untergangs zusammen. Allerdings läßt sich weder aus der Höhe der Staatsverschuldung noch aus der Fülle einzelner Kapitalfiktionen und schon gar nicht aus dem reduktionistischen, auf dem Produktionsniveau des 19. Jahrhunderts verharrenden Begriff von produktiver und abstrakter Arbeit die Gewißheit des kapitalistischen Untergangs ableiten. Der ganze Schlamassel der Krisis-Theorie wird letztlich anhand ihres Wertbegriffes deutlich. Konsequent auf der Ebene des Einzelkapitals verharrend, ist man sich sicher, daß der Wert entweder in der Produktionssphäre oder aber in der Zirkulationssphäre entstehen müsse. Unter anderem Michael Heinrich – also einer, der nun wahrlich nicht des Antideutschtums verdächtig sein kann – hat auf diesen schwerwiegenden theoretischen Irrtum mehrfach hingewiesen: “Das Problem ist (...), daß bereits die Frage: entsteht der Wert in der Produktionssphäre oder in der Zirkulationssphäre falsch gestellt ist.”5

USA-Solidarität und Antiamerikanismus

In linken Kreisen aller Coleur meint man, man hätte uns der Affirmation der bürgerlichen Werte und damit als “Jubelperser” (Robert Kurz) des Kapitalismus überführt, weil wir es für richtig halten, daß die USA sich nach den antisemitischen Anschlägen vom 11. September verteidigt haben. Allenthalben glaubt man, uns nun unter die Nase halten zu müssen, daß ja in Afghanistan gar kein europäischer materieller Wohlstand auszumachen ist und die USA die Herstellung einer bürgerlichen Demokratie gar nicht anstrebten – ja selbst die Scharia noch in Kraft sei. Dazu ist festzustellen, daß man schon ein ganzes Stück weit behämmert sein muß, um zu glauben, diese Ziele hätten wir allen Ernstes mit den Motiven der US-Intervention in Afghanistan verbunden. Wer das nämlich glaubt, gewährt damit nur einen tiefen Einblick in seine Kritik antideutscher Positionen, die ausschließlich darauf zu beruhen scheint, daß man bisher leider gar nichts verstanden hat außer mit dem Ressentiment gegen uns eine Art Selbstvergewisserung vornehmen zu können.
Fest steht, daß die Bedingungen der Möglichkeit für emanzipatorisches Denken in Afghanistan im Verhältnis zur Taliban-Herrschaft qualitativ bessere geworden sind und damit das “unmögliche Unterfangen” eines dauerhaften Sieges über den islamistischen Terror, dem die Genossen von der Bahamas-Redaktion in ihrer ersten Stellungnahme zu den Anschlägen vom 11. September “alles Gute” wünschten, Erfolge zeitigt, über die niemand – außer die selbstherrlichen Krisis-Theoretiker und diejenigen, die die Antideutschen nicht laut genug als “Kriegstreiber” beschimpfen können – gesichert zu sagen vermag, ob sie sich letztendlich nicht doch als Pyrrhussiege entpuppen werden, zu denen es allerdings für die USA realpolitisch keine Alternative gibt.6
Über die Interessen der USA ist man übrigens in aller Regel auf den offiziellen Internetseiten der US-Regierung besser informiert als durch linke Publizisten von Noam Chomsky bis Trampert/Ebermann/Elsässer. Weil nämlich diese und alle anderen linken Antiamerikaner mit dem Begriff des Imperialismus bis zum Erbrechen herumfuchteln, können ihre Waffen der Kritik nur stumpf sein. Der Begriff des Imperialismus, den die gesellschaftskritischen Maulhelden allenthalben im Mund führen, erklärt genaugenommen gar nichts, außer daß ein ökonomisch und militärisch stärkerer Staat seine objektiven kapitalistischen Interessen als ideeller Gesamtkapitalist wahrnimmt. Insofern vernebelt der Begriff mehr als er erhellt und taugt so nur zum plumpen unkritischen antiimperialistischen Ressentiment.
Fakt ist, daß die Vereinigten Staaten die einzigen sind, von denen ein entschiedenes Vorgehen gegen den Islamismus zu erwarten ist. Denn weil es keine Sowjetunion mehr gibt, sind die USA der einzige Garant einer Weltordnung, der die Wahnsinnigen, die der Kapitalismus – und nicht die USA – immer wieder aufs neue erzeugt, auch effektiv im Hier und Jetzt bekämpfen kann. Daß damit nicht der Kapitalismus von der Bildfläche verschwindet und die USA gar nicht selbstlos handeln, sondern ihre Interessen – insbesondere hinsichtlich der Akkumulationsbedingungen – verfolgen und durchsetzen, braucht man uns nicht zu sagen. Diese gesellschaftskritische Binsenweisheit setzen wir bei allen voraus, die noch ein paar Tassen Verstand im Schrank haben.

Aufklärung

Wenn wir davon reden, daß es bei der Solidarität mit Israel und beim Kampf gegen den Islamismus um nichts geringeres als um die Bedingung der Möglichkeit von Emanzipation überhaupt geht, dann heißt das konkret, daß wir insofern die Aufklärung vor der Gegenaufklärung verteidigen, daß sich unser Aufklärungsbegriff im Sinne der Dialektik der Aufklärung von Horkheimer/Adorno zum einen an die Entwicklung des menschlichen Geistes als Reflexion auf Natur überhaupt knüpft und zum anderen mit der durch das neuzeitliche Denken möglich gewordenen vernünftigen Selbstbehauptung durch Zweifel verbindet. Der Islamismus möchte das neuzeitliche aufgeklärte Denken, das mit dem “verjudeten” Westen identifiziert wird, ausmerzen. Der Zweifel an Gott, an der Gottverfallenheit, soll beendet und an dessen Stelle das ewige kritiklose Sein gesetzt werden.
Im Gegensatz zur Krisis halten wird die Möglichkeit von Kritik und des Zweifels für ein Produkt der Aufklärung, das es unbedingt vor dem Rückfall in die völlige Mythologie zu verteidigen gilt. Insofern ist es in unseren Augen gefährlicher Quatsch, wenn man einen undialektischen Begriff von Aufklärung einführt, der sich als ausschließliche barbarische Zurichtungsgeschichte verstehen soll, wie es die Krisis tut. Wer die Dialektik der Aufklärung ernst nimmt, der weiß, daß mit dem Aufklärungsdenken die sukzessive Selbstausmerzung der selbstreflexiven Vernunft gemeint ist, die die Aufklärung erst hervorgebracht hat. Daraus allerdings den Schluß zu ziehen, die konkrete Bekämpfung des Islamismus wäre reaktionär, ist tatsächlich jener Ruf nach Frieden, hinter dem sich die Islamisten verschanzen können. Bei der Krisis paart sich dies darüberhinaus noch mit dem Idealismus einer beanspruchten absoluten Kritik an sich, die es objektiv nicht gibt. Denn Kritik ist wie auch die Verteidigung der Aufklärung in Relation, also nur im Verhältnis von und zu etwas zu haben. Das heißt, Verteidigung der Aufklärung verstehen wir hier nicht absolut, sondern im Verhältnis zum Islamismus. Daß das die Krisis-Leute und viele andere nicht begreifen können, sagt allerdings mehr über ihren idealistischen Kritikbegriff als über die Kritik an unserer Position aus. Weil Krisis Aufklärung undialektisch nur als reinweg blutige Durchsetzungsgeschichte des Kapitalismus begreift, kann sie sich mit ihrem kritischen Denken auch nur idealistisch außerhalb des aufklärerischen Denkens wähnen. So vermag man auch, sich ein Zu-sich-selbst-kommen der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie zu halluzinieren, die bei der Krisis zu einer absoluten, mit sich identischen Kritik verkommt, aus der man objektiv gültige theoretische Lehrsätze über den endgültigen Untergang ableiten könne.

Bürgerliches Glücksversprechen

Ein Witz besonderer Güte ist, wenn man uns unterstellt, daß wir mit dem bürgerlichen Glücksversprechen mehr verbinden würden als Konkurrenzsubjektivität und die Auflösung der Würde des Menschen im Tauschwert, wie es Marx und Engels im Kommunistischen Manifest formulierten. Wenn wir allerdings darauf beharren, daß nur aus dem bürgerlichen Glücksversprechen eines reflexiven Selbst die Emanzipation entspringen kann, dann ist das insofern eine Determinierung, als für uns eindeutig klar ist, daß unter islamistischen Verhältnissen jede wirkliche Hoffnung auf Emanzipation begraben ist: “Die Angst, das Selbst zu verlieren und mit dem Selbst die Grenze zwischen sich und anderem Leben aufzuheben, die Scheu vor Tod und Destruktion, ist einem Glücksversprechen verschwistert, von dem in jedem Augenblick die Zivilisation bedroht war”, schreiben Horkheimer/Adorno in der “Dialektik der Aufklärung”.7 Und das heißt für uns nichts anderes, als daß wir davon ausgehen, daß nur dort, wo Kritik möglich ist, überhaupt auch nur die Bedingungen ihrer Notwendigkeit sich erledigen können.

Bürgerliches Subjekt

Damit ist zugleich auch gesagt, daß es uns nicht um die Glorifizierung des bürgerlichen Subjekts geht. Das bürgerliche Subjekt, das nur deshalb ein männlich rationales sein kann, weil es mit dem als weiblich gesetzten nicht identisch ist8, also die genaue Bestätigung des Hegelschen Identitätssatzes darstellt, ist im Zerfall begriffen. Die vaterlose Gesellschaft (Alexander Mitscherlich) ist längst auch eine mutterlose geworden. Daß man also nicht mehr von spätbürgerlichen, sondern vielmehr von nachbürgerlichen Ich- schwachen, zum Infantilismus neigenden Subjekten sprechen muß, sagt viel über die Möglichkeit des Austickens der quasi elternlosen Subjekte, denen nicht nur die Identifikation mit dem Überich versagt ist, sondern darüberhinaus auch die Errichtung eines narzißtischen Ichideals. Allerdings gilt es hier, zwei Dinge auseinanderzuhalten. Nämlich das Verhältnis von innerer und äußerer Natur. Das heißt zum einen, die äußerlichen allgemeinen Bedingungen der bürgerlichen Subjektkonstitution im besonderen Verhältnis zum Islamismus als solche zu begreifen, die objektiv Kritik möglich machen, in dem sie überhaupt als die Bedingung der Möglichkeit für das Entstehen kritischer Subjekte gelten, und zum anderen, daß die innere Natur des Individuums nicht vollends in der Subjektform aufgehen kann, weil es nämlich von Natur aus nicht unmittelbar ein rationales männliches ist und die Form der Zurichtung ihre Grenze in der natürlichen menschlichen Substanz hat. Auch wenn sich die stoffliche Substanz genauso dynamisch durch das Verhältnis zur gesellschaftlichen Form verändert wie die gesellschaftliche Form wiederum durch die veränderte stoffliche menschliche Substanz, ist grundlegend davon auszugehen, daß die gesellschaftliche Form, in der das Individuum nur Individuum ist, nicht mit der menschlichen Substanz von Natur aus irgendwann unmittelbar zusammenfallen und damit Form und Stoff mit sich identisch sein können. Das ist auch trotz verinnerlichter Herrschaft als Selbstzurichtung nicht der Fall, deren besonderer Ausdruck das bürgerliche Subjekt als Personifizierung allgemeiner bürgerlicher Vernunft darstellt. Die äußere und innere Zurichtung der menschlichen Individuen durch die Form des Daseins, in die sie gepreßt wurden oder freiwillig schlüpften, ist nicht rückgängig zu machen. An sie – also durch sie hindurch – läßt sich nur anknüpfen. Die objektive Vernunftbegabung des Menschen ist eine Gabe von Natur aus. Sie stirbt auch nicht mit dem Zerfall des bürgerlichen Subjekts. Allerdings bedeutet dies nicht, daß man auf Bedingungen verzichten könnte, unter denen konkretes Leiden sich überhaupt in einer Form Ausdruck verschaffen kann – also nicht absolut unterdrückt wird wie im Islamismus. Nur objektive Bedingungen zur Möglichkeit der Artikulation von Leiden eröffnet auch die Möglichkeit zur geistigen Selbstreflexion auf das ohnmächtige Elend des Daseins im Kapitalismus. Wer meint, diese Bedingungen seien gegen ihre barbarischen Feinde nicht zu verteidigen, weil sie nur zwei Seiten ein und derselben Medaille gesellschaftlicher Synthesis durch den Wert sind und deshalb nur abstrakt zusammen und nicht auch konkret getrennt zu denken wären, zerreißt das dialektische Verhältnis von Allgemeinen und Besonderen, um sich auf die sichere idealistische Seite der allgemeinen Kritik zu schlagen.

Auschwitz

Wenn wir darauf verweisen, daß nach Auschwitz feststeht, daß der Staat als Krisenbewältigungsinstitution insbesondere dort fortwährend zum Problem wird, wo man von ihm die Lösung sozialer Konflikte verlangt, dann heißt das zum einen, daß im Verhältnis von Deutschland und den USA es wohl weniger zufällig ist als man glaubt, daß die besondere Vergesellschaftung über den Staat in Deutschland und nicht in den USA zum Nationalsozialismus geführt hat. Und zum anderen heißt das, daß wenn man vom Staat als besonderer Krisenbewältigungsinstitution redet, damit gerade nicht der allgemeine bürgerliche Staat, sondern das besondere Verhältnis von kollektivem völkischen Wahn und Racketherrschaft zu verstehen ist – genau jene Konstellation also, die man heute in vielen arabischen Ländern konstatieren kann und für die der Antisemitismus konstitutiv ist. Wer meint, Islamismus hätte mit Antisemitismus nichts gemein, weil dieser ein rein westliches Produkt sei, ist ein gefährlicher Tagträumer und hat von den konstitutiven materiellen wie ideologischen Bedingungen für das Erstarken des Islamismus keine Ahnung.
Wenn es um die materialistische Kritik des Antisemitismus geht, dann geht es uns um die Rückbindung der Kritik an die Kategorien der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie. Also darum, den verdinglichten Warenfetisch im Verhältnis von Waren-, Rechts- und Denkform so darzustellen, daß sich die objektiven Gedankenformen als vergegenständlichter Ausdruck der Tauschabstraktion erschließen lassen. Alle anderen Erklärungen des Antisemitismus sind diesbezüglich idealistische Faselei. Insbesondere gehört dazu auch ein Begriff von Geschichte, der sich nicht eines Begriffs von Gesellschaft entledigt, wie es Daniel Goldhagen mit seiner poststrukturalistischen Methode der “dichten Beschreibung” von den wirklichen Opfern her nahelegt. Nicht zufällig nämlich zieht Goldhagen aus seinem Idealismus, daß bei den Deutschen zwischen ‘33 und ‘45 das Bewußtsein das Sein bestimmte, den merkwürdigen Schluß, mit dem Reeducation-Programm wäre der Antisemitismus der Deutschen wie weggeblasen gewesen.
Will man Auschwitz an die Kritik der politischen Ökonomie rückbinden, dann kommt man um einen materialistischen Geschichtsbegriff nicht herum. Rückbinden heißt hier im übrigen nicht, daß man Auschwitz aus der Marxschen Kritik zwingend erklären will, sondern daß man anhand der Rückbindung zugleich die Grenzen der Marxschen Kategoriensystems aufzeigen kann. Diese Grenzen verlaufen insbesondere dort, wo Marx mit seiner dialektischen Methode die Bewegungsgesetze des Kapitals als fortschreitende Bewegung zur Befreiung – also zum vorherbestimmten transzendentalen Moment des positiven Scheiterns an sich selbst – begreift.
Ausgemachter Quatsch ist es im übrigen, uns vorzuwerfen, wir würden erstens den Nationalsozialismus als objektiv geglückten Versuch der Überwindung des Kapitalismus begreifen und zweitens Auschwitz als gänzlichen Bruch mit der bürgerlichen Aufklärung. Die Singularität von Auschwitz ist ein geschichtliches Faktum. Die Gründe dieser Singularität sind allerdings nur im Verhältnis von allgemeiner und besonderer kapitalistischer Vergesellschaftung zu erfassen. Das heißt, wer Auschwitz und den Nationalsozialismus als reine ungebrochene Durchsetzungsgeschichte des Kapitalismus begreift, kann der Dimension nicht “gerecht” werden. Auschwitz ist deshalb der Zivilisationsbruch, weil die Kategorie der optimistisch stimmenden Modernisierung, des steten Fortschritts, hier unmittelbar mit ihrem Gegenteil, der Antimoderne, also dem Versuch der negativen Aufhebung des Kapitals, zusammengefallen ist. Niemand redet demzufolge davon, daß der Nationalsozialismus das ganz Andere des Kapitalismus sei. Demzufolge kann er auch nicht die geglückte negative Aufhebung des Kapitals verkörpern. Daß aber gerade aus dem Warenfetisch das Bedürfnis nach negativer Aufhebung des Kapitals in Form des Antisemitismus notwendig entspringt, ist mit Auschwitz zur Gewißheit geworden. Der maßlose Vernichtungswahn, der aus der pathischen Projektion kapitalistischer Verhältnisse auf die Juden entspringt, ist erstens nicht beliebig – findet also nicht zufällig sein Objekt in den Juden bzw. denen, die dazu erklärt oder dafür gehalten werden – und zweitens liegt gerade in der objektiven Unmöglichkeit der negativen Aufhebung des Kapitals das barbarische Problem des unbedingten sich immer weiter steigernden Vernichtungswillens. Wir sagen es abschließend nochmals deutlich: Wenn sich zum Beispiel die Krisis anmaßt, qua Ableitungstheorie darüber zu entscheiden, ob und wann sich objektiv ein zweites Auschwitz oder ähnliches wiederholen bzw. geschehen kann und wann nicht, dann macht sich gerade daran unsere Kritik fest. Denn nach Auschwitz kennt der Kapitalismus keine endgültige Gewißheit mehr außer die, daß er geschichtlich entstanden ist und so auch wieder Teil der Geschichte werden kann. Das gilt insbesondere auch für seine bitter notwendige Kritik.

Leipzig, den 13. August 2002

Kontakt (bis auf weiteres):
ang-leipzig@gmx.de

Fußnoten:
1 “Der Schein von Identität wohnt (...) dem Denken selber seiner puren Form nach inne. Denken heißt identifizieren. Befriedigt schiebt begriffliche Ordnung sich vor das, was Denken begreifen will. Sein Schein und seine Wahrheit verschränken sich.” Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt am Main, 1966, S.17.
2 Theorie des Gebrauchswerts, Frankfurt am Main 1976, S.23.
3 Adorno, a.a.O., S.152.
4 “Wer der dialektischen Disziplin sich beugt, hat fraglos mit bitterem Opfer an der qualitativen Mannigfaltigkeit der Erfahrung zu zahlen. Die Verarmung der Erfahrung durch Dialektik jedoch, über welche die gesunden Ansichten sich entrüsten, erweist sich in der verwalteten Welt als deren abstraktem Einerlei angemessen.” (Negative Dialektik, Frankfurt am Main, 1966, S.18)
5 Ders., Neues vom Weltuntergang; in: Streifzüge 1/2000; auch in: Cee Ieh #87.
6 Zur Erinnerung: In der ersten “Stellungnahme der BAHAMAS-Redaktion zum islamistischen Massaker in den USA” vom 14. September 2001 heißt es unter anderem: “Wie die Alliierten im Nationalsozialismus ihr eigenes Alter Ego bekämpften, so werden die USA nun im Islamismus gegen die barbarische Ausgeburt ihrer eigenen Vergesellschaftung antreten – ein an sich unmögliches Unterfangen, dem man doch alles Gute wünschen muß, insoweit es zur Folge hat, daß im Windschatten der Militärschläge der insbesondere im letzten Jahr gestiegene internationale Druck von Israel wenigstens temporär wieder weicht und Israel in die Lage versetzt, sich seinerseits ohne unerbetene Einmischung von außen der akuten Bedrohung angemessen zu erwehren. US- amerikanische Militärschläge gegen islamische Zentren hätte jeder bis auf weiteres zu begrüßen, der die Emanzipation von der Warenform, von Markt und Staatlichkeit nach wie vor als Bedingung menschlicher Selbsttätigkeit, mithin des Eintritts aus der ‘Vorgeschichte’ in die ‘Geschichte’ (Marx) begreift. Sollte wirklich Afghanistan das erste Ziel eines US-Gegenschlages sein, wäre zu fordern, das dieser so konsequent wie möglich erfolgt, d. h. einen Sturz nicht nur des Taliban-Regimes, sondern auch die Verhinderung weiterer islamistischer Herrschaft bewirkt und nicht auf Afghanistan beschränkt bleibt.”
7 Dialektik der Aufklärung, Frankfurt am Main 1969, S.40.
8 “Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war, und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt.” (dies. ebenda)

Antideutsch-Kommunistische Gruppe Leipzig (ex Antinationale Gruppe)

 

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