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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

18.06.2002

Über den Zusammenhang von Anti-Amerikanismus & Barbarei

Referat und Diskussion - Thesen zur Veranstaltung

"Kulturelle Vielfalt wird durch eine ökonomisch mächtige Kulturindustrie eingeebnet. Die Suggestivkraft von Werbung und Markenlogos bestimmt immer stärker Wertorientierungen und gesellschaftliche Leitbilder."
(aus der Grundsatzerklärung von Attac)

"Der Antiamerikanismus verdient eine differenzierte Betrachtung."
(Jürgen Elsässer, Redakteur der Zeitschrift konkret)

"Antiamerikanismus ist eine Pest. Anti-Antiamerikanismus ist keine Medizin, sondern die Cholera."
(Hermann L. Gremliza, Herausgeber von konkret)


0.

Wenn sich in den USA der Präsident beim Fernsehen an einer Brezel verschluckt, dann ist das in Deutschland ein sicheres Zeichen, dass in Amerika nur Trottel Präsidenten sein können.

1.

Jene, denen es um eine emanzipatorische Umwandlung der Gesellschaft geht, müssen sich bewußt machen, daß es vergebene Mühe ist, auf Kultur zu setzen.

2.

Die Industrialisierung der Kultur ist nicht eine Entwicklung in einem Land, sondern eine konsequente Folge der hochentwickelten warenproduzierenden Gesellschaft und damit in allen Ländern anzutreffen. Kultur ist einer der Bereiche, in dem die Produktionssphäre in die Reproduktionssphäre diffundiert, und zwar in zweifacher Hinsicht: Erstens indem Kultur nach den Mustern der Produktion funktioniert: eine Ware wird produziert und verkauft. Und zweitens indem der Rhythmus der Produktion auch in der "Freizeit" erinner-lich gehalten wird. In diesem Übergreifen der Produktionssphäre auf die Reproduktions-sphäre liegt die Ähnlichkeit der Kultur mit der Arbeit

3.

Geht man von einer Totalität der warenpro-duzierenden Gesellschaft aus, davon, dass dieses Vergesellschaftungsprinzip sich längst weltweit durchgesetzt hat, sollte man zu der Erkenntnis kommen, dass die sogenannte Globalisierung nichts anderes als die dem Kapitalismus immanente Expansionstendenz des Kapitals in krisenhaft beschleunigter Form ist.

4.

Der Begriff des Imperialismus, der als geflü-geltes Wort derjenigen Bauernschlauen ge-genwärtig seine bedrohliche Renaissance er-lebt, die nicht den noch größeren Quatsch vom Neoliberalismus und der Globalisierung im Munde führen, reduziert sich allenthalben auf das "normale" kapitalistische Verhältnis von Staat und Kapital, von Mittel und Zweck, von Sicherung der Akkumulationsbedingun-gen zu Kapitalakkumulation und auf das von Allgemeinem und Besonderen. Also nichts mit dem Gerede vom Imperialismus und auch nichts mit dem Gerede vom anonymen "Em-pire" (Negri/Hardt), das als kontrollgesell-schaftliches Bio-Machtverhältnis uns alle in seinen Klauen gefangen hielte.

5.

Die USA sind als politisches Gebilde auch als Resultat des ersten Scheiterns von Aufklä-rung zu sehen. Sie sind eine Art Fluchtpunkt des konsequenten bürgerlichen Denkens.

6.

Weder die Begrifflichkeiten von Verfas-sungspatriotismus noch von Nationalismus können die Konstitution des politischen Ge-bildes USA beschreiben. Universalismus in all seinen Optionen inklusive der barbarischen Implikation bürgerlicher Denkform lassen sich eher als
konstituierende Elemente verstehen.

7.

Der Kapitalverwertungsprozess unterliegt in den USA einer aus der
historischen Entwicklung resultierenden be-sonderen Verkehrsweise, die der Linken eine besonderer Dorn im Auge ist.

8.

In Deutschland herrscht der Geist der kollek-tiven Gesinnung vor. In den USA der patrioti-sche Geist der Verantwortung zuerst für den Einzelnen.
In Deutschland denkt man zuerst an alle - an die Gemeinschaft, das Kollektiv - und dann an den einzelnen potentiell Hilfsbedürftigen. In den USA ist es genau umgedreht: Man denkt zuerst an den einzelnen Hilfsbedürfti-gen und dann an die Gemeinschaft, das Kol-lektiv. Dafür aber brandmarkt man die Ame-rikaner als unsozial und egoistisch.

9.

Die deutsche Ideologie ist das Mittel zum Ressentiment gegen alle, die den Begriff des Sozialen nicht zwingend vermittels des Staa-tes denken. Sie ist im Kern antisemitisch und antiamerikanisch zugleich. In ihr schlummert das barbarische Moment als vom Kapitalver-hältnis erzeugtes Bedürfnis der negativen Aufhebung der gesellschaftlichen Synthesis - der Wertvergesellschaftung - in fortwährender Latenz.

10.

Die linke Kritik des Egoismus verschleiert durch den Appell an das Kollektiv und die Gemeinschaft die kapitalistische Wirklichkeit, in der die Gleichheit der doppelt freien Men-schen nichts als die Voraussetzung für die Konkurrenz der Subjekte um den eigenen Tauschwert ist, in dem nach Marx und Engels die Würde des Menschen im Kapitalismus aufgelöst ist.

11.

Kritik der Verhältnisse hat in erster Linie Selbstkritik als Selbstreflexion zu sein. Alles andere ist dem nachgeordnet. Ideologie- wie Erkenntniskritik ist so eben gerade nicht in erster Linie die Kritik der anderen Meinung und ihre Kennzeichnung als Ideologie. Agita-torische Absicht zielt auf die individuelle Bewußtwerdung dieser Notwendigkeit als Bedingung jeder Möglichkeit von Emanzipa-tion. Unter dem Primat der Selbstkritik erst läßt sich nicht nur über alles reden, sondern auch alles kritisieren.


Antinationale Gruppe Leipzig

 

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