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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

07.06.2002

FRIDAY NIGHT FEVER

Der Antifaschistische Frauenblock Leipzig (AFBL) lädt zur Disko anläßlich der Erfüllung des 5-Jahresplanes. Expect NINE, Selecta Snize and others

Wie alles anfing lässt sich nicht mehr so genau sagen. Es war auch nicht einfach da: soviel steht fest.
Aber es gibt da so einige Geschichten die immer wieder gerne erzählt werden. Eine davon gebe ich mal zum besten denn folgendes soll sich zugetragen haben:
Auf einem der großen Bündnistreffen zum 1. Mai 1997 des Bündnis gegen Rechts, BgR, soll eine Frau sinngemäß gesagt haben: „und wenn klar wäre, dass sich auf einer Demonstration die Männer schützend vor die Frauen stellen würden, dann würden sich auch mehr Frauen auf Demonstrationen bewegen“. Dieser Ausspruch wurde nicht nur größtenteils ignoriert. In einer Ecke wurde kräftig gelacht und Späßchen über dieses seltsame Frauenbild gemacht: als kurze Zeit später die obligatorische Anwesenheitsliste die Runde machte, wurde aus dem Gelächter ein Name: Antifaschistischer Frauenblock Leipzig (soviel vielleicht zu der ersten urkundlichen Erwähnung), kurz AFBL.
So oder ähnlich kann der Anfang erzählt werden, andere Gründungsmythen sind und bleiben natürlich erlaubt.
Festzuhalten bleibt aber: ein Spaß zu Anfang, aus dem sich nicht zwangsläufig ein Projekt mit mittlerweile fünfjähriger Existenz hätte entwickeln müssen.
Dass es dies doch wurde, hat im Nachhinein besehen mehrere Ursachen. Einige sollen im folgenden beschrieben werden:

Die ersten gemeinsamen Aktionen des noch losen Gefüges AFBL hatten vielfältige Folgen: einer der wichtigsten (und auch einfachsten!) ist die Entdeckung, dass es etwas anderes ist, ausschließlich mit Frauen Aktionen zu planen und auszuführen: der gemeinsame Spaßfaktor ist ein anderer, ebenso die Erfahrung, dass die Rolle der Schweigenden und Zurückhaltendenden nicht mehr ausreicht, sondern selbst Initiative ergriffen werden muss und wird. Und dies in Bereichen, in denen bislang maßgeblich das andere Geschlecht vorherrschend war.
Natürlich ergibt sich dabei eine Eigendynamik: die gemeinsame Zeit, die verbracht wird, die Diskussionen die daraus entstehen, bilden in kurzer Zeit das heraus, was sich gemeinhin eine Gruppe nennt.
Eine weitere entscheidende Konsequenz aus der sichtbar werdende Gruppe waren die auftretenden Reaktionen des bisherigen Antifa-Umfeldes. Im Blick zurück kann wohl behauptet werden, dass sich hier etwas wiederholte, was wohl jeder Gruppierung, die erst einmal ‘nur’ – so undifferenziert der Begriff auch immer sein mag – Frauen in ihrem Umfeld haben möchte, passiert. Zutage trat zuerst das Unverständnis, dann der Spott, doch stellten sich ziemlich schnell die ersten wütendenden und diffamierenden Reaktionen ein. Dies bereits zu einem Zeitpunkt, an dem bei weitem noch nicht die herrschende Mackerstruktur innerhalb der Antifa- und Antina-Strukturen als Grund für die ‘neue’ Gruppenbildung formuliert wurde.
Doch trat durch die Erfahrung der Selbständigkeit und die daraus entstehenden Angriffe die bis dato wenig wahrgenommene Hierarchie zwischen den Geschlechtern in schärferen Konturen deutlicher zu Tage.
Während Aktionen war die Anwesenheit des weiblichen Geschlechts weniger wert, auf Diskussionsbeiträge wurde nicht reagiert... dieses mal aber nicht einer einzelnen gegenüber, sondern einer, die ihre Erfahrung gemeinsam mit anderen in der Gruppe bespricht.
Die offenen Debatten, als Reaktion auf den entstandenen AFBL die – seltenst auf den Plena, sondern eher an Kneipentischen und in den Freundschaftszusammenhängen – stattfanden, ließen sehr schnell eine Richtung erkennen, deren Auswirkung auch ziemlich bald zu merken war. Die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses von Frauen für Frauen und die daraus entstehende Infrastruktur wurden von Anfang an nicht anerkannt, und die Reaktionsmuster, die darauf folgten, waren je nach hervorbringender Person oder Gruppe tiefstes reaktionäres Gebräu: der Vorwurf langte bis hin zum bewussten Spaltungswillen der agierenden Frauen. Als Beispiel wurden die sogenannten sozialen Bewegungen der 70er und 80er gebracht. Ein urschleimiger Antifeminismus kam in der offensten Form: wenn sich Frauen zusammen schließen, hat dies auf keinen Fall den Grund der bisherigen Struktur und Machtaufteilung, sondern einzig und allein der niederträchtige Spaltungswille erscheint als logische Antriebsfeder.
Doch auch anhand weniger dümmlichen Kritiken wurde deutlich, dass bislang Themen wie patriarchales Denken, sexistisches Verhalten und stumpfes Mackerdasein innerhalb der (Antifa-)Szene noch nicht einmal im Ansatz als Problem gesehen wurden.
Die Diskussionen innerhalb des AFBL veränderten sich nach und nach: das Spannungsfeld zwischen rein aktionistischer Ausrichtung und theoretischer Grundlage trat offen zu Tage. Dass die verschiedensten Frauen aufeinander trafen, hatte ihre Wirkung: eine Antifa ist eine Antifa, aber was ist sie noch, und welche Art des Feminismus liegt eigentlich zugrunde?
Einige Frauen verließen den AFBL. Es war nicht immer möglich, grundsätzliche Differenzen zum richtigen Zeitpunkt in Diskussion zu bringen. Andere Frauen kamen hinzu. Der Konflikt um ein zukünftiges Profil aber blieb. Und genau dies war das Spannende: die permanente Diskussion um die eigene Ausrichtung.
Auf Grund dessen wurden in den letzten Jahren auch unterschiedliche Themen bearbeitet. Im folgenden soll an einige Schwerpunkte erinnert werden.
Während sich die Arbeit des AFBL bisher vorwiegend auf Antifa-Arbeit und sexistische Strukturen innerhalb der Szene konzentrierte, gab es zunehmend das Interesse, sich mit anderen politischen Themen zu beschäftigen.
Da kam der Aufruf zu einer Demonstration gegen den Frauenabschiebeknast in Neuss wie gerufen. Zum einen hatte sich in der Beschäftigung mit Nazi-Aktivitäten gezeigt, dass für Flüchtlinge und MigrantInnen staatliche Strukturen und staatliches Handeln mindestens ebenso diskriminierende, ja mörderische Konsequenzen hat. Zum anderen spielte die spezifische Situation von weiblichen Flüchtlingen und Migrantinnen in den meisten antirassistischen Publikationen und Aktivitäten kaum eine Rolle. Darüber hinaus wurde innerhalb der Diskussionen klar, dass die Abschiebepraxis in Neuss in einem damals Rot-Grün regierten Bundesland stattfand; eine Vorreiterrolle für die zu erwartende neue Bundespolitik. So rief der AFBL (Ende 1998, Anfang 1999) eine Arbeitsgruppe ins Leben, die mit zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen das Thema in Leipzig in die Diskussionen brachte, schließlich sogar fast zwei Busse für die Demo füllen konnten.
Auch die Kultur/Bandpolitik des Conne Island stieß bisweilen auf reges Interesse des AFBL. Ausgelöst durch ein Konzert der Gruppe Lokalmatadore entbrannte eine heiße Diskussion über sexistische Texte von Bands und das sexistische Verhalten des dazugehörigen Publikums. Daraus entstanden weitere Diskussionen über patriarchale Strukturen innerhalb der Szene und des Conne Island an sich. Als indirekte Folge davon etablierte sich ein regelmäßiger Fraueneinlass.
Da es sinnvoller ist und auch mehr Spaß macht nicht, nur in einer kleinen geschlossenen Gruppe linksradikale feministische Politik zu betreiben, entstand im Frühjahr 2000 der Gedanke, ein Frauenkoordinierungstreffen ins Leben zu rufen. Erfahrungen wurden ausgetauscht, politische Positionen diskutiert und gemeinsame Aktionen geplant. Resultat aus diesen Treffen war z.B. den ersten Block in einer Demonstration zu übernehmen. Ebenso entstand aus dieser Idee eine Arbeitsgruppe, die sich kritisch mit dem Text „Infantile Inquisition“ der Zeitschrift Bahamas auseinandersetzte. Das Ergebnis wurde als Text veröffentlicht und zusammen mit der Position des AFBL zum Papier „Neue Sachlichkeit“ der AAB auf einer Veranstaltung zur Diskussion gestellt. Die Papiere der Bahamas und der AAB und die ihnen vorausgegangene Vergewaltigung hatten bundesweit zu heftigen Auseinandersetzungen geführt und auch in der Leipziger Szene für Unruhe gesorgt. Auch das AFBL hat in dieser Zeit viele Nerven gelassen.
‘Produktiver’ war die ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe von Frauen für Frauen zu Themen wie (Jüdische) Frauen im Widerstand gegen des Nationalsozialismus, Rechte Frauen, Frauen in der Musik und andere. Neben dem generellen Zweck der Reihe, Frauen und deren politisches Potential sichtbar zu machen, wurden Themen wie Frauen als Täterinnen (z.B. im Nationalsozialismus) und vor allem das alles andere als homogene Bild des Feminismusbegriffs an die Oberfläche gebracht. Begriffe wie Gender, Dichotomie der Geschlechter, Differenztheorie wurden eingehend beleuchtet.
Neben den eigenen Schwerpunktthemen wurde sich als AFBL auch fortwährend an den Kampagnen der Leipziger Szene beteiligt. Die Mitwirkung am „Verstärker-Kongress“ Ende ‘99 und die Zusammenarbeit mit dem BgR für die Demonstration „Save The Resistance – gegen Überwachungsgesellschaft und Sicherheitswahn“ sind hier zu nennen.
Die Beschäftigung mit dem ‘sexistischen Normalzustand’ führte Ende 2001 zur Veröffentlichung eines Textes.
Den AFBL als female Empowerment zu betrachten, ist demnach möglich, inwieweit sich dadurch das Denken und handeln der im AFBL aktiven Frauen aber auch der vielen BeobachterInnen und KritikerInnen verändert hat, ist eine andere Geschichte. Schön wäre, wenn auch sie irgendwann erzählt würde.
Einen fetten Glückwunsch Lady AFBL! Allen Unkenrufen zuwider gibt es dich! Und das soll gebührend gefeiert werden!!!!!!!!!!

Einige aktuelle & Ex-AFBLerinnen

 

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