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left action - linksradikale Gruppen in  Leipzig - Archiv
 

17.02.2001

Aufatmen iss nisch - Das deutsche "Opferkollektiv" angreifen

10 Fragen und 10 Antworten zu Sebnitz und: Warum wir nach Sebnitz fahren!

Ist es nun passiert oder nicht?
Es ist passiert: Die Sebnitzer haben sich verhalten, wie sich Deutsche in anderen Städten auch verhalten hätten. Sie verleugnen ihre Nazis, sorgen sich um ihr Image, wünschen dem Überbringer der bösen Botschaft (Familie Abdulla, den Medien), daß sie nämlich ausgemachte Rassisten seien, den Tod an den Hals. Sie stilisieren sich als großes Opferkollektiv, welches vom äußeren Feind (Araber, Westmedien) bedroht wird. Sie sammeln Geld, um die imaginierten Umsatzeinbußen im Kunstblumenverkauf auszugleichen. Das ist passiert.
Ob es, der Tod von Joseph, nun ein Badeunfall, ein rassistischer Mord oder irgendetwas dazwischen war, spielt für uns dabei keine Rolle. Anzumerken bleibt allerdings, daß es abgesehen davon, daß es in Sebnitz oder anderswo passiert sein könnte, es immer noch wahrscheinlich, daß es auch tatsächlich so passiert ist. Trotz aller gengeteiliger Behauptungen konnte die Mordversion nicht entkräftet werden.

Was hat das alles mit dem Osten zu tun?
Rassistische und antisemitische Übergriffe stehen auf der Tagesordnung in Deutschland. Sebnitz allerdings konnte so nur im Osten passieren: Daß hunderte Badegäste bei einem Mord zusehen, ist im Westen zwar nicht unmöglich, aber schwer vorstellbar. Auch daß die zuständigen Beamten und Behörden mehr vertuschen als zu ermitteln und jahrelang nichts an die Öffentlichkeit dringt, dürfte typisch für den Osten sein. Nach Bekanntwerden des Vorfalls hätte es im Westen außerdem etwas mehr „Zivilcourage“ gegeben, sprich die geplante Lichterkette wäre wohl nicht abgesagt worden. Daß die Mutter von Joseph als SPD-Abgeordnete im Stadtparlament direkt neben dem NPD-Abgeordneten Johannes Müller sitzt, dessen Partei genauso viele Mitglieder wie die SPD hat, ist auch sehr zonal. Aber das sind letztendlich nur graduelle Unterschiede. Das ganze Gerede vom Ost-West-Konflikt dient lediglich einer wechselseitigen Verdrängungsstrategie: Die „Ossis“ fühlen sich selbst lieber als Opfer von innerdeutschem „Rassismus“, um sich mit ihrem Rassismus nicht auseinanderzusetzen, die „Wessis“ projezieren die unangenehmen Aspekte des gesamtdeutsche Wesens in den Osten, um sich ebenfalls nicht mehr damit auseinandersetzen zu müssen.

War es der Höhepunkt oder das Ende des „Antifasommers“?
Weder noch. Die rot-grüne Regierung hat es sich aus verschiedenen Gründen zur Aufgabe gemacht, die Geschäftsgrundlagen der deutschen Politik neu zu bestimmen. Sie versucht mit ihrer Abkehr von der völkischen Blut-und-Boden-Politik internationale Reputation zu erlangen und sich an gewisse ökonomische Rahmenbedingungen anzupassen. Außerdem sind vorallem die Grünen davon überzeugt, als ‘68er gewisse zivilgesellschaftliche Errungenschaften im deutschen Volk verankern zu müssen. Dies geschieht aus dem Interesse, „etwas Gutes für Deutschland“ zu tun, welches auch die CDU/CSU antreibt, nur sind Rot/Grün modern und aufgeklärt genug, zu wissen, daß dieser Zweck gegenwärtig anderer Mittel bedarf. Der sogenannte Antifa-Sommer war nun ein Versuch neben vielen anderen, diese neue Politik gesellschaftsfähig zu machen und nach außen zu präsentieren. Sebnitz - zufälligerweise Ende 2000 öffentliches Thema geworden - beeinflußte nun nicht den „Antifasommer“, er aber den Umgang mit Sebnitz. Während am Anfang die „zivilisatorischen“ Kräfte ernsthaft ihr Entsetzen über Sebnitz äußerten, waren am Ende alle froh, als die Theorie vom Badeunfall erneut erfolgreich lanciert werden konnte. Die einen konnten nun zu einer Medienschelte anheben und vom antifaschistischen Meinungsterror schwafeln, die anderen konnten sich auf die Schulter klopfen, daß sie, obwohl ja gar nichts passiert ist, erstmal mit allem gerechnet haben.

Zivilisieren die Computerinder Deutschland?
Das Ende und der Ausgang der Auseinandersetzung zwischem dem „guten“, zivilisierten Deutschland, welches aus Auschwitz die Lehren gezogen hat, und dem bösen, völkischen, welches von Auschwitz nichts wissen will und mit Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft oder für die Leitkultur u.ä. derzeit Rückzugsgefechte führt, ist noch nicht abzusehen. Ausschlaggebend war für Rot/Grün, im Interesse der eigenen Großmachtpolitik den Nebenschauplatz Inland zu befrieden, um sich mit voller Kraft in den Jugoslawienkrieg stürzen zu können. Wenn NATO-Planspiele den Einmarsch in die national befreite Zone Magdeburg vorsahen, dann war dort eben erstmal aufzuräumen. Auch im Interesse der hochqualifizierten Arbeitskräfte, die das eigene Land z.Zt. nicht hergibt. Dies hebelt aber genausowenig den Alltagsrassismus, den rechten Konsens, aus wie es nicht die Option offen läßt, auch wieder auf das völkische Ticket zu setzen, sofern sich dies als notwendig erweist. Beiden Richtungen der herrschenden Politik ist allerdings das Ziel gemeinsam, standortnationalistische und machtfixierte Politik zu betreiben.
Genau diese Entwicklung hat sich in aller Deutlichkeit im Fall Sebnitz wiedergespiegelt. Und das nicht nur, weil das zwischenzeitlich geschlossene Internetforum den Stand der Debatte von den Höhen der Theorie auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Dort hetzen nämlich die Nazis gegen die bastardisierte Mischehe der Abdulla-Kantenbergs, während die aufgeklärten Deutschen festhalten, daß „wir über jeden Menschen dankbar sein sollten, der frische und nicht verwandte Gene mit zu uns bringt.“ Und wie mit Nazis umgegangen werden soll, wissen andere: „Aufhängen, vergasen, erschießen“. Die Innenminister wußten bislang schon immer jede Diskussion um den „Rechtsradikalismus“ auf Gewalt zu reduzieren und damit weitere Gesetzesverschäfungen, wie aktuell die Einschränkung des Demonstrationsrechtes, zu legitimieren.

Warum geriert sich die BILD antifaschistisch und die junge Welt völkisch?
Die Medien sind gegenüber der Kritik aus Sachsen und der NPD, sie hätten Sebnitz vorverurteilt und Hass geschürt, in Schutz zu nehmen. Sie haben es nicht! Sie sind genauso ihrer nationalen Pflicht nachgekommen, wie alle anderen. Der Skandal ist nicht, wie suggeriert wird, daß die Medien vorschnell über Sebnitz berichtet hätten, sondern daß drei Jahre nicht über Sebnitz berichtet wurde. Fakt ist: Sebnitz wäre nie ins Licht der Öffentlichkeit geraten, wenn nicht die Eltern wie besessen drei Jahre lang die Arbeit der Polizei geleistet hätten und darüberhinaus aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung genügend Kontakte zu PolitikerInnen, Medien und Behörden knüpfen konnten. Die BILD tat nichts anderes, als was sie schon immer tut: Gute Schlagzeilen zu liefern, da kann es auch gegen Nazis gehen. Die liberalen und konservativen Zeitung hielten sich mehr zurück als die BILD, tragen allerdings die neue Politik des staatlichen Antifaschismus mit. Selbst die F.A.Z. hat entdeckt, daß sie mit den Ergebnissen der deutschen Großmachtpolitik eines Fischer, Scharping und Schröder gut leben kann, und trauert dem, was Kleingeist Kohl die Jahrzehnte davor verzapft hat, nicht mehr nach. Und die junge Welt hat ihre Rolle als Ostblatt für PDS- und NPD-Wählerschichten mal wieder aufs vortrefflichste bestätigt. Der eigentliche Skandal sei nicht der Mord, sondern die Bevölkerungsrückgang von 15.000 auf 10.000 in Sebnitz, die hohe Arbeitslosigkeit und „Rassenlehre“ der Westmedien.

Sollten wir anstelle von Antifa nicht lieber Kunstblumen züchten?
Soviel neues gibt es im Antifasommer nun auch wieder nicht zu entdecken, daß uns der Schreck in die Glieder fahren müßte. Nazis waren schon länger unbeliebt, auch wenn es so offen schon lange nicht mehr ausgesprochen wurde. Seit den Pogromen von Rostock, die sich zur Abschaffung des Asylrechts instrumentalisieren ließen, stießen Naziübergriffe nie mehr auf öffentliches Wohlwollen, sondern provozierten Lichterketten, Betroffenheit, Imagegeschwafel, Verbote und Gesetzesverschärfungen - genau wie auch im Sommer 2000. Auch wenn das Bestehen eines rechten Konsens nicht mehr abgestritten werden kann, wird weiterhin versucht, konkrete Übergriffe zu verleugnen und vertuschen. Da ist in den Zeitungen von Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Jugendbanden die Rede und Sebnitz hat deutlich gezeigt, wie schon nach zwei Tagen - als noch überhaupt nichts klar war, was es ja selbst heute noch nicht ist - das geringste Anzeichen, daß es kein Mord war, zum Anlaß genommen wurde, sich selbst ob der schnellen Vorverurteilung zu schelten und endlich „objektiv“ über die ganzen Zweifel an der Mordversion zu berichten. Nazis stellen nachwievor eine Bedrohung für MigrantInnen, Linke usw. dar und daran wird sich so schnell nichts ändern. Allerdings gilt es zum einen, sich konsequent vom staatlichen Antifaschismus abzugrenzen und seine Grenzen sowie Ursachen aufzuzeigen. Dies erfordert natürlich mehr inhatliche Auseinandersetzung, als Recherche von Nazistrukturen und Gegenmobilisierungen zu faschistischen Aufmärschen. Als Ergebnis muß z.B. die Erkenntnis stehen, daß zur Zeit nicht im Bündnis antifaschistisch auf die Straße gegangen werden kann, sondern nur gegen die Bündnisse. Aber machen wir uns nichts vor: Ein Teil der Antifabewegung hat sich von den Verkürzungen einer reinen Anti-Nazi-Politik schon vor Jahren verabschiedet.

Warum demonstrieren?
Es gibt viele Gründe, nach Sebnitz zu fahren! Uns geht es weniger um die „deutschen Jugendlichen“, die für den Mord verantwortlich sein könnten. Vielmehr wollen wir die SebnitzerInnen in ihrer Kunstblumenruhe angreifen. Wir wollen der Imageschaden sein, für den sie schon 14.000,- DM im Voraus zusammengebettelt haben. Wir wollen das „Opferkollektiv“ Sebnitz und Deutschland, welches sich nicht vorauseilend schuldig sondern freigesprochen hat, angreifen. Wir wollen dagegen antreten, daß das Aufatmen nach Sebnitz mit dem Verweis, daß es nicht passiert wäre, dazu genutzt wird, in Zukunft noch effektiver leugnen und wegschauen zu können. Das Aufatmen sollen aber auch denen verdorben werden, die sich mit ihrer „antifaschistischen“ Gesinnung auf der Seite der Guten wähnen - und letztendlich nur den zivilisierten Nationalismus verkörpern. Es gilt gerade in Sebnitz zu zeigen, wie der sogenannte Antifasommer weder den rassistischen Konsens im Osten mindern konnte noch selbst antirassistisch ist. In Sebnitz muß deutlich gemacht werden, daß sich mit dem staatlichen der linksradikale Antifaschismus nicht erübrigt hat, sondern so notwendig ist wie zuvor. Für uns, die wir sowohl den völkischen als auch den multikulturell verbrämten Nationalismus bekämpfen wollen, kann das nur heißen, Politik gegen Deutschland zu machen.

Warum erst jetzt?
In Sebnitz hätte schon viel eher reagiert werden müssen. Das dies nicht geschah, ist der momentanen Verwirrung und Schwächung der Antifa-Szene zuzuschreiben. Die einen machen weiter Bündnis-Arbeit gegen Nazis wie bisher, die anderen empfehlen uns, sich von Antifa oder der Politik als solchen zu verabschieden. Wir denken, daß dadurch viel vergeben wurde, der Zug, antinationale und linksradikale antifaschistische Politik zu machen, allerdings noch lange nicht abgefahren ist.

Warum ein eigener Aufruf?
Der antinationale Aufruf des Bündnisses zur Demonstration stieß innerhalb des Bündnis gegen Rechts auf Kritik, da er so tut, als ob sich seit 1998 nichts verändert hätte und der Osten eine nationalistische Avantgardefunktion für Deutschland hätte. Auch wenn wir die Begrenztheit des Antifasommers sehen, denken wir dennoch, daß er für eine Neugestaltung nationalistischer Politik steht, was sich auch auf unsere Analysen und Praxis auswirken muß. Wir unterstützen aus den oben genannten Gründen nichtsdestotrotz die Demonstration und mobilisieren somit mit einem eigenen Aufruf!

Wie komme ich nun eigentlich nach Sebnitz?
17.02.2001, Treffpunkt 9:45 Uhr Connewitzer Kreuz mit PKW, Abfahrt 10.00 Uhr
Weitere Infos unter: www.left-action.de und www.antifa.de
sowie am Di., 13.02.2001, 20.00 Uhr, im Conne Island


Völkisch oder national – Deutschland ist uns scheißegal!
Kapitalismus abschaffen!
Für eine neue radikale Linke!


Sebnitz-AG im Bündnis gegen Rechts

Chronik

13.06.1997
Joseph Abdulla stirbt im Freibad von Sebnitz. AugenzeugInnen berichten, daß er von einer größeren Gruppe Nazis geschlagen, mit Ritalin betäubt, einem Elektroschocker gequält und schließlich ertränkt worden sei. Über hundert BesucherInnen hätten entweder zu- bzw. weggeschaut, einige sogar die TäterInnen angefeuert.

16.06. 1997
Weil im Schwimmbad Plakate auftauchen, die von einem Mord sprechen und in ganz Sebnitz Gerüchte die Runde machen, daß Jospeh mißhandelt und ertränkt wurde, erstatten die Eltern Anzeige.

03.02.1998
Die Kripo stellt die Ermittlungen ein, obwohl der erste Obduktionsbericht eine Gewalteinwirkung nicht ausschließt.

07.05.1998
Das Verfahren wird von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil es unauflösbar sei.

1997-2000
Die Eltern von Joseph ermitteln auf eigene Faust, wenden sich an Medien, Landtagsabgeordnete, Gerichte, Gerichtsmediziner und das Bundesjustizministerium. Sie sammeln 30 ZeugInnenaussagen, die ihre Version vom Tathergang stützen.

1998
Die Stadt zahlt der Familie für den „Unfall“ 60.000,- DM Entschädigung

22.11.1999
Bei einer zweiten Obduktion von Joseph wird ein Beruhigungsmittel in einer Blutprobe gefunden. Die Gutachter empfehlen neue Ermittlungen.

Sommer 2000
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen empfiehlt, den Fall neu aufzurollen
September 2000
Das Verfahren wird auf Druck durch das Bundesjustizministerium wieder aufgenommen.

21./22.11.2000
Es werden drei Verdächtige festgenommen: die Tochter eines CDU-Stadtrats, ein Mitglied der rechtsterroristischen Kameradschaft Skindheads Sächsische Schweiz (SSS) und ein dritter deutscher Sebnitzer.

23.11.2000
BILD-Schlagzeile: „Neonazis ertränken Kind. Und eine ganze Stadt schaut zu.“
Der Bürgermeister begrüßt die Ermittlungen und hofft, daß Sebnitz keinen Imageschaden erleitet. Er und andere Sebnitzer BürgerInnen können sich allerdings nicht vorstellen, daß so etwas passiert sein soll...

23. und 24.11.2000
Neonazis marschieren in Sebnitz auf, stehen vor dem Haus der Familie Abdulla-Kantelberg, stoßen Morddrohungen aus und zeigen den Hitlergruß.

24.11.2000
Biedenkopf fliegt nach Sebnitz, um sich mit dem Bürgermeister zu treffen und im Konjunktiv zu äußern, daß es „entsetzlich und grauenhaft“ wäre, wenn... Außerdem verspricht er dem Vater von Joseph die rückhaltlose Aufklärung des Falls. Biedenkopf denkt etwas globaler als der Bürgermeister und hofft, einen Imageschaden für ganz Sachsen begrenzen zu können.
Die Soko Rex behauptet, daß die Tatverdächtigen keinen „rechtsradikalen Hintergrund“ hätten. Leitende sächsische Polizeikreise stellen erstmals die Behauptung auf, daß die Mutter von Joseph die ZeugInnen bestochen hätte. Auch die Version des Apothekerkrieges wird dankbar von der Presse aufgenommen.
Gegen den Kriminalbeamten, der die Ermittlungen 1997 leitete, wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Mitte November 2000
Die Familie wird in ein bayerisches Kloster verfrachtet und steht dort unter Polizeischutz. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen die Mutter wegen Anstiftung zu Falschaussagen auf. Das erste Verhör der Eltern soll Anfang Februar 2001 stattfinden.

26.11.2000
Die Bundesanwaltschaft erwägt, den Fall zu übernehmen.

27.11.2000
Die drei Tatverdächtigen werden aus der Haft entlassen. Die Belastungszeugen gelten als unglaubwürdig, die vermeintlichen Täter haben Alibis. Die Polizeipräsenz auf 130 BeamtInnen verstärkt. Vor dem Haus der Familie werden Absperrgitter errichtet.
Schröder trifft sich mit der Mutter in Berlin. Sachsen Justizminister Kolbe empfiehlt den SebnitzerInnen, die von ihm kritisierten Medien, insbesondere BILD, zu verklagen.

Ende November 2000
Die Familie kehrt nach Sebnitz zurück. Die Dresdner Staatsanwaltschaft läßt ihre Wohnung durchsuchen

01.12.2000
Der Landrat des Landkreises Sächsische Schweiz richtet ein Spendenkonto unter dem Motto „Eine Hand für Sebnitz“ ein, um den „moralischen und wirtschaftlichen Schaden“ zu mildern.

03.12.2000
Die angekündigte Lichterkette gegen rechtsextremistische Gewalt wird 4 Tage vorher von der Stadt Sebnitz abgeblasen, um Auseinandersetzungen zwischen „gewalttätigen Rechts- und Linksextremisten“ zu verhindern.

04.12.2000
Halbzeit in den Ermittlungen: 120 Personen wurden befragt, weitere 120 sollen folgen.

Anfang Dezember 2000
Justizminister Kolbe beschuldigt Schröder, seine „Fürsorgepflicht“ gegenüber der Region, auf die „eine beispiellose Hasswelle“ niedergegangen sei, verletzt zu haben, indem er sich nicht dazu äußerte. Die NPD stellt Strafanzeige gegen BILD wegen Verleumdung und Volksverhetzung.

15.12.2000
In seiner Regierungserklärung kritisiert Biedenkopf den Kriminologen Christian Pfeiffer (der für eine Neuaufnahme der Ermittlungen plädiert hatte) und BILD, warnt vor einer neuen Mauer zwischen Ost und West und attestiert, daß Sebnitz eine „katastrophale Rufschädigung“ erhalten habe.

19.12.2000
Bundespräsident Johannes Rau besucht Sebnitz und trifft sich sowohl mit den Eltern von Joseph als auch mit den drei Tatverdächtigen, um „Feindschaften und Vorverurteilungen“ beizulegen. Rau fordert die Medien auf, sich bei Sebnitz, einer „lebenswerten und liebenswürdigen“ Stadt, zu entschuldigen.

Ende Dezember 2000
Die NPD verteilt in Sebnitz ein Flugblatt, in dem sie die „Volksverhetzung einer ganzen Stadt“ beklagt.

Mitte Januar 2001
Die sächsische Landesregierung erwägt, Schadensersatzforderungen wegen der Berichterstattung über Sebnitz zu stellen (u.a. gegen BILD).

24.01.2001
Ein drittes Gutachten zur Todesursache schließt eine „Gewalteinwirkung definitiv aus“ und spricht vom einem „Badetod“.

29.01.2001
Die Familie Kantelberg-Abdulla fordert auf einer Pressekonferenz fortgesetzte Ermittlungen, da sie weiterhin von Mord ausgehen. Schließlich haben nicht alle ZeugInnen ihre Aussagen widerrufen, bei den anderen steht zu vermuten, daß sie nur dem massiven gesellschaftlichen und behördlichen Druck nachgegeben haben - bzw. sich von Drohungen der Nazis einschüchtern ließen.

 

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