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AKTUELLES
Strukturelles Patriarchat oder
heteronormative Matrix?
eine Veranstaltung von sous
la plage und dem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig
Fabrik/Gängeviertel, Valentinskamp 34, Hamburg,
am 27.05.2010 um 19 Uhr

In Bewegung! Know your feminist history
Vorträge, Diskussion und Filme
Glücklicherweise müssen wir
nicht mehr darüber diskutieren, ob Frauen wirklich wählen
sollten, ob verheiratete Frauen ein eigenes Konto besitzen dürfen
oder ob Frauen ihren Beruf, ihren Wohnort und ihre Partner_innen
selbst aussuchen können. Aber seit wann sind diese Rechte denn
durchgesetzt? Wer hat dafür gekämpft und wie wurden diese
Kämpferinnen bekämpft? Und: Was ist denn geblieben von
vergangenen Kämpfen? Welche müssen weiterhin geführt
werden, welche sind neu hinzugekommen? Um diese und weitere Fragen
wird es in den Veranstaltungen gehen.
Die Erste und Zweite Frauenbewegung und ihre Protagonist_innen sollen
nicht nur vorgestellt, sondern auch kritisch diskutiert werden.
Die Differenzen, die innerhalb der sehr verschiedenen Frauenorganisationen
existierten und die unterschiedlichen Themenfelder, mit denen sich
Frauenrechtlerinnen und Feministinnen beschäftig(t)en, werden
genauso aufgegriffen wie die gesellschaftlichen und politischen
Wirkungen, die sie erzielten. Doch nicht nur der feministische Aufbruch
in Westdeutschland wird thematisiert, auch Emanzipationsbegriff
und Rollenverständnis von Frauen in der DDR werden in einer
Podiumsdiskussion gemeinsam mit Protagonistinnen diskutiert.
Heute geht es neben einer Analyse des Geschlechterverhältnisses
und der Frage nach dem Status Quo des strukturellen Patriarchats
auch darum, wie Gechlechtergrenzen aufzuweichen oder gar aufzulösen
seien.
Queere Theorie und Praxis hat sich aus dem Feminismus heraus entwickelt,
mit dem Ziel Geschlecht zu dekonstruieren und die heterosexuelle
Norm zu hinterfragen. Häufig, so scheint es zumindest, werden
dabei vornehmlich individuelle Praktiken entwickelt und Gesellschaftskritik
vernachlässigt. Grund genug zu fragen: Welche politische Dimension
besitzt „queer“?
Begleitet werden die Veranstaltungen von einer Filmreihe im UT Connewitz,
in der einige Perlen der queer- feministischen Filmgeschichte zu
sehen sein werden. Filme als Medium wurden oft genutzt, um deviante
Rollenbilder und ein emanzipatorisches Geschlechterverhältnis
zu entwerfen oder Kritik am Bestehenden zu formulieren. Wir wollen
rückblickend zeigen, wie diese Bilder aussahen und aussehen
und dem kulturellen Wirken von Feminist_innen eine Öffentlichkeit
bieten.
11.05.2010,
19.30 Uhr, Conne Island
Die Erste Frauenbewegung — antimoderne
Moderne?
Referentin: Anna Pollmann, Kulturwissenschaftlerin
Die Erste Frauenbewegung kann einerseits
als Ausdruck der Moderne verstanden werden, andererseits trägt
sie auch antimoderne Züge, die sich besonders in der Auseinandersetzung
mit dem Arbeitsbegriff, antisemitischen Stereotypen und Rassedenken
zeigen. Ihre GegnerInnen sahen die Frauenbewegung oft als Untergang
für die bestehende Kultur an und setzten z.B. jüdische
Emanzipation mit der von Frauen gleich, um sie als jüdisches
Machwerk zu diffamieren. Die Veranstaltung zeigt moderne wie antimoderne
Inhalte der Ersten Frauenbewegung auf und diskutiert, welche Themen
die Frauen beschäftigten, wie sie sich zusammenschlossen und
welche Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Organisationen
existierten.
03.06. 2010,
19.30 Uhr, Conne Island
»Die Frauenfrage ist gelöst!«
Rollenbilder und Emanzipationsbegriff von Frauen in der DDR
Ein Podiumsgespräch mit Karin Dauenheimer (Dipl. Theologin,
Künstlerin, damals AK Homosexualität in der ev. Kirche
und AK Feministische Theologie), Annegret Schüle (Historikerin
mit Schwerpunkt Frauen als Werktätige in der DDR), Birgit Bütow
(Soziologin mit dem Schwerpunkt Frauen- und Mädchenarbeit)
und Monique Förster (Leiterin Kunsthaus Erfurt, Mitbegründerin
der Künstlerinnengruppe ExterraXX).
Das sozialistische Ideal sah für
Frauen Gleichberechtigung vor. Als Werktätige galten sie quasi
automatisch auch in allen anderen Bereichen als befreit.
Aber waren Frauen in der DDR dem Abbau geschlechterspezifischer
Hierarchien tatsächlich nähergekommen? Es gab Einige,
die dies in Frage stellten, und sich damit der Anschuldigung der
Systemkritik aussetzten. Wie sich Frauen dennoch organisierten,
welche Formen und Inhalte Frauengruppen in der DDR hatten und wie
widersprüchlich die Situation von Frauen wahrgenommen wurde,
ist das Thema dieses Abends.
17.06.2010,
19:30 Uhr, GfzK
Die Zweite Frauenbewegung — Wie aus Selbstbestimmungsrecht
Self-Managment wurde
Referentin: Paula-Irene Villa, Soziologin
Nach einer kurzen Einleitung in die Geschichte
der Zweiten Frauenbewegung in der BRD diskutiert Paula-Irene Villa
in ihrem Referat die Frage, inwieweit die Zweiten Frauenbewegung
mit ihrer Verknüpfung des Privaten und Politischen sowie ihrem
Einklagen nach feministischer Selbstermächtigung und Autonomie
in Bezug auf den eigenen Körper („mein Bauch gehört
mir“) die heute gängige individualistische Manipulation
des Körpers (z.B. durch Schönheitschirurgie, Diäten,
Kosmetik), beziehungsweise einen Zwang zum Selbstmanagement qua
Körper gleichsam mit hervorgebracht habe.
05.07.2010,
19.30 Uhr, Conne Island
Theorie und Bewegung — Queere Herrschaftskritik
und politische Interventionen
Referent: Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe, Kulturwissenschaftler
Queere Theorie befragt die Normierung
von Geschlecht und Sexualität und verweist auf die Ausschlüsse
bei der Re-/Produktion von Identitäten. Dabei betont sie die
Verwobenheit verschiedener Herrschaftsunterscheidungen. Queer-politische
Interventionen sind zu einem festen Bestandteil feministischer und
sexualpolitischer Kämpfe geworden. Wie sind Queer Theory und
Queer Politics entstanden? Welche neuen Begriffe werden diskutiert?
Welche Entwicklungen und Konflikte gab es? Wo sind ungelöste
Sollbruchstellen? Welches politische Potenzial steckt darin?
Filmreihe
Diese Filmreihe gibt einen kleinen Einblick in queer-feministischen
Filmgeschichte. Die Filme laufen ergänzend zur Veranstaltungsreihe
und spannen ebenfalls einen Bogen von der Zeit der Ersten Frauenbewegung
bis zur queeren Theorie und Praxis.
18.05.2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
A
Florida Enchantment
(USA 1914, 63 min, Stummfilm, Sidney Drew)
Lillian Travers, eine gelangweilte junge
Frau, ist die Eskapaden ihres wesentlich älteren Verlobten
leid. Zufällig gelangt sie in den Besitz geheimnisvoller Kräuter,
die eine Verwandlung von Männern in Frauen und von Frauen in
Männer bewirken sollen. Einmal eingenommen, hat Lillian als
Mann eine phantastische Zeit. Sie küsst andere Frauen, raucht
Zigaretten, trägt Männerkleidung und genießt die
neu entdeckte Unabhängigkeit. Das sorgt ordentlich für
Verwirrung, nicht zuletzt bei ihrem Verlobten. Um ihn loszuwerden,
bewegt sie ihn zur Einnahme der Kräuter. Für ihn jedoch
wird der Geschlechtertausch gefährlich, als er versucht, einen
Mann zu verführen. Der außergewöhnliche Stummfilm
aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts gilt als der erste von einer
Frau gedrehte Hollywoodfilm.
01.06. 2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
Born in Flames
(USA 1983, 80 min, Pseudodoku, Regie: Lizzie Borden)
Ein feministischer Science-Fiction, der
mit pseudodokumentarischen Bildern ein imaginäres New York
zehn Jahre nach der sozialistischen Revolution entwirft. Immer noch
sind Frauen von Unterdrückung und Gewalt betroffen. Im Untergrund
beginnen sie sich zu organisieren – doch je nach Herkunft
und Identität bilden sich verschiedene Gruppen, die sehr unterschiedliche
Ideen davon haben, was zu verändern sei und wie. Als die charismatische
Anführerin der „Women`s Army“ auf mysteriöse
Weise im Polizeigewahrsam umkommt, schließen sich ein Zeitungskollektiv
weißer Mittelschichtsfrauen und die zwei ungleichen Piratinnen-Sender
„Phoenix Radio“ (Rap) und „Radio Ragazza“
(Punk) zusammen, um die feministische Gegenrevolution anzuführen.
Noch 25 Jahre nach Entstehung des Films haben die politischen Debatten
eine erstaunliche Aktualität.
08.06. 2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
Tausendschönchen
(CSSR, 1966, 74 min, Regie: Vera Chytilová)
Weiblicher Hedonismus im realen Sozialismus:
Marie und Marie toben spielerisch durch die bürgerlich-patriarchale
Gesellschaft und hinterlassen eine dabei eine Spur der Zerstörung.
In lose verbundenen, surrealistischen Szenen erzählt der Film
mit allem was Avantgarde und Pop-Art zu dieser Zeit zu bieten hatten
von der Zerstörung als befreiender und gefährlicher Kraft.
Dieses anarcho-feministische Glanzstück wurde nach der Zerschlagung
des Prager Frühlings in der CSSR verboten.
24.06.2010, 20.00 Uhr, UT Connewitz
Wild
Side
(Frankreich/Belgien 2004, 94 min, Regie: Sébastien Lifshitz)
Stéphanie erfährt durch einen
Anruf, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Die Prostituierte, einst
als Pierre in der Provinz aufgewachsen, fährt mit dem Gelegenheitsstricher
Djamel und dem Tschetschenien-Veteranen Mikhail in ihre ungeliebte
Heimat. Wortkarg und mit wundervollen poetischen Bilder beschreibt
der Film die Ablösung von der Mutter als Repräsentantin
der bürgerlichen Familie und entwirft die Wahlverwandschaft
der Figuren als innige Gemeinschaft, in der es um Bindung und nicht
um Identitätssuche geht.

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